UFO-Klassifikationen

Um die gemeldeten und untersuchten UFO-Sichtungen zu spezifizieren, werden unterschiedliche Klassifikationen verwendet.


Klassifikation nach J. Allen Hynek

Von J. Allen Hynek stammt die wohl bekannteste und noch heute vielfach gebräuchliche Klassifikation, nach der die gemeldeten Sichtungen (ohne Wertung) eingeordnet werden

Nocturnal Light - Nächtliches Licht (NL): Anomale Lichter, die in großer Entfernung am Nachthimmel gesehen werden.
Daylight Disk - Tageslichtscheibe (DD): Objekte, die in großer Entfernung am Tageshimmel gesehen werden.
Radar Visuals - Radar visuell (RV): Ein UFO, das gleichzeitig visuell beobachtet und von Radar registriert wird.
Close Encounter of the first/second/third kind - Nahbegegnung der ersten/ zweiten/dritten Art (CE I - III): Ein UFO in kurzer Entfernung zum Zeugen (CE I), mit Einwirkungen auf die Umwelt (Wechselwirkungen, CE II) oder mit Wesen in Verbindung mit der Nahbegegnung (CE III). Diese Einteilung wurde später erweitert um CE IV und V, mit Entführungen durch bzw. regelmäßigen Kontakten zu unbekannten Wesenheiten. Genannt wird gelegentlich auch eine Nahbegegnung der sechsten Art (CE VI), die sich auf Tier- oder Menschenverstümmelungen (sog. Mutilations) bezieht. Falsch übersetzt wurde der Begriff in der deutschen Übersetzung des Steven Spielberg-Films »Close Encounter of the Third Kind« mit »Unheimliche Begegnung der dritten Art«.


Klassifikation nach Allen Hendry

Da die Hyneksche Klassifikation nicht geeignet ist, um die Ergebnisse untersuchter Sichtungen zu differenzieren, findet häufig ergänzend die Klassifikation nach Allen Hendry Anwendung:

UFO (i.e.S.) - Nicht konventionell zu erklärende, anomale, atmosphärische Phänomene.
IFO - Konventionell erklärbare Sichtungen.
Hoax - Betrug bzw.Fälschung, ohne Vorhandensein eines Stimulus.
Fantasy - Eine psychologisch bedingte Wahrnehmung, ohne Vorhandensein eines Stimulus.
Exceptions (Ausnahmen) - Fälle, die nicht zuverlässig beurteilt werden können, wie ungenügende Daten, unzuverlässige Zeugen, unzureichende Beobachtung oder kein Zusammenhang mit UFOs.

Die UFO-Klassifikation erweitert Hendry um eine weitere Differenzierung mit vier Qualitätsebenen, abhängig von anomalen Merkmalen bzw. Strangeness (Fremdartigkeit):

Near IFO - Ein Bericht, der aufgrund weniger anomaler Merkmale (geringe Strangeness) nicht auf eine herkömmliche Erscheinung zurückgeführt wird. Umfasst auch Beschreibungen von Objekten, die grundsätzlich herkömmlichen Objekten ähnlich sind, aber nicht überzeugend auf einen bestimmten Stimulus zurückgeführt werden können.
Problematic UFO - Ein Bericht, der grundlegende Fragen nach der Qualität aufwirft, aber dennoch aufgrund anomaler Merkmale nicht ausreichend auf Near IFO zurückgestuft werden kann.
Good UFO - Ein Bericht, der immer noch ggf. Erklärungen zulässt und dadurch in seiner Qualität eingeschränkt ist. Umfasst Fälle mit mehreren anomalen Merkmalen bzw. höherer Strangeness.
Best UFO - Ein Bericht mit hoher Qualität, der nur noch eine minimale Wahrscheinlichkeit auf eine prosaische Erklärung hat. Umfasst Fälle mit mehreren bedeutenden anomalen Merkmalen bzw. hoher Strangness.


Klassifikation nach Jacques Vallee

Von Jacques Vallee gibt es zwei Klassifikationen, von denen die erste, ursprüngliche, weniger bekannt ist. Diese umfasst vier verschiedene Typen, die weiter differenziert werden:

Typ I: Beobachtung eines ungewöhnlichen, kugel- oder scheibenförmigen Objekts, auch mit komplexer Form, auf oder nah am Boden, auch mit Spuren und mit physikalischen Effekten.
Ia: Auf oder nahe festen Bodens.
Ib: Auf oder nahe über Wasser.
Ic: Besatzung zeigt Interesse an Zeugen durch Gesten oder Lichtsignalen.
Id: Kundschaften ein ein irdisches Fahrzeug aus.
Typ II: Beobachtung eines ungewöhnlichen, zylindrischen Objekts am Himmel, verbunden mit einer diffusen Wolke (»cloud cigar, cloud sphere«).
IIa: Bewegt sich unregelmäßig am Himmel.
IIb: Stationäres Objekt aus dem weitrere Objekte austreten.
IIc: Objekt, umgeben von weiteren Objekten.
Typ III: Beobachtung eines ungewöhnlichen, kugel-, scheibenförmigen oder elliptischen stationären Objekts am Himmel.
IIIa: Schwebend zwischen zwei Bewegungsbläufen, auf und ab, hin und her (pendelnd).
IIIb: Unterbrechung des kontinuierlichen Flugs durch Schweben, danach Fortsetzung der Bewegung.
IIIc: Ändert Erscheinung während des Schwebens, z.B. Helligkeit, erzeugt weitere Objekte.
IIId: »Luftkampf« oder Umschwärmen mehrerer Objekte.
IIIe: Flugbahn ändert sich während des kontinuierlichen Fluges, um langsam über einem bestimmten Bereich zu fliegen, zu kreisen oder um plötzlich den Kurs zu ändern.
Typ IV: Beobachtung eines ungewöhnlichen Objekts in kontinuierlichem Flug.
IVa: Kontinuierlicher Flug.
IVb: Flugbahn, beeinflusst durch in der Nähe befindliche, konventionelle Flugzeuge.
IVc: Formationsflug.
IVd: Wellen- oder zickzackförmige Flugbahn.

1990 kreierte Vallee eine detaillierte Klassifikation, wobei er versuchte, seine ursprüngliche Klassifikation mit der Hyneks zu vereinen und auszubauen, um Flugverhalten, mögliche Anomalien, Nahbegegnungen und Einwirkungen auf die Zeugen zu erfassen. Hierzu schuf er 4 Kategorien, die hinsichtlich Verhalten, physikalischen Effekten, Wesen, Realitätsveränderungen und Verletzungen weiter differenziert werden:

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Anomalien (AN)
AN1: Keine bleibende Wirkung, z.B. unförmige Lichter, Explosionen.
AN2: Bleibende Wirkung, z.B.Bodeneindrücke, Kornkreise, Poltergeister.
AN3: Auftreten von Wesen, Fabelwesen, mystische Wesen (Geister, Yetis. Elfen).
AN4: Interaktion mit Wesen, z.B. (religiöse) Vision, Nahtoderlebnis, außerkörperliche Erfahrung.
AN5: Verletzungen, Todesfälle, ungeklärte Wunden, Spontanverbrennung, Spontanheilung.
Vorbeiflug (FB)
FB1: Geradlinige Flugbahn.
FB2: Begleitet von physikalischen Auswirkungen/Effekten.
FB3: Wesen werden im/am Objekt gesehen.
FB4: Gefühl der Realitätsveränderung, Zeitempfinden, Telepathie.
FB5: Permanente Verletzungen, bspw. Verbrennungen, auch Tod.
Manöver (MA)
MA1: Diskontinuierliche Flugbahn, nicht geradlinig.
MA2: Begleitet von physikalischen Auswirkungen/Effekten.
MA3: Wesen werden im/am Objekt gesehen.
MA4: Gefühl der Realitätsveränderung, Zeitempfinden, Telepathie.
MA5: Permanente Verletzungen, bspw. Verbrennungen, auch Tod
Nahbegegnungen (CE)
CE1: Nahbegegnung, ≤ 150m.
CE2: Hinterlässt Landespuren, oder physikalische Einwirkung, auch auf Zeugen.
CE3: Wesen werden im/am Objekt gesehen.
CE4: Zeugen werden entführt.
CE5: Permanente psychische Einwirkungen, Verletzungen, auch Tod.

Ergänzend definierte er ein Rating für die Glaubwürdigkeit (SVP) bzw. Zuverlässigkeit der Fall-Untersuchung, basierend auf der Quelle, Vorortuntersuchung und Qualität des Untersuchers.

Zuverlässigkeit der Quelle (Source Reliability Rating - SRR)
0: Unbelkannt oder unzuverlässige Quelle.
1: Bekannte Quelle mit unbekannter Zuverlässigkeit.
2: Zuverlässige Quelle, zweiter Hand.
3: Zuverlässige Quelle, erster Hand.
4: Erster Hand, persönliche Befragung, auch über glaubwürdige Quelle.
Vorortrecherche (Site Visit Rating - SVR)
0: Keine Vorortrecherche oder unbekannt.
1: Vorortrecherche durch eine nicht mit dem Phänomen vertraute Person.
2: Vorortrecherche durch eine mit dem Phänomen vertraute Person.
3: Vorortrecherche durch zuverlässigen Untersucher mit einiger Erfahrung.
4: Vorortrecherche durch qualifiziertzen Analysten.
Mögliche Erklärungen (Possible Explanations Rating - PER)
0: Daten stimmen mit einer oder mehrerer natürlicher Ursachen überein.
1: Natürliche Erklärung erfordet nur geringfügige Modifikationen der Daten.
2: Natürliche Erklärung erfordert größere Veränderung eines Sichtungsparameters.
3: Natürliche Erklärung erfordert größere Veränderung mehrerer Sichtungsparameter.
4: Keine natürliche Erklärung möglich, liefert die Beweise.

Die zweite von Vallee definierte Klassifikation ist international recht verbreitet und wird oftmals der Hynekschen Klassifikation vorgezogen, da sie detaillierter ist und eine genauere Beschreibung des Ablaufs ermöglicht.

Klassifikation von Jacques Scornaux

Vom belgischen UFO-Forscher Jacques Scornaux stammt die folgende Klassifikation, die schwerpunktmäßig das Auftauchen und Verschwinden eines gesichteten UFOs abdeckt.

Auftauchen
A1: Nächtliches Aufleuchten eines hellen UFOs ohne sichtbare Strukturen.
A2: Plötzliches Erscheinen eines UFOs, das nicht bloß ein nächtliches Licht ist.
A3: Bildung einer Wolke, die ein UFO erscheinen lässt oder aus der ein UFO herauskommt.
A4: Ausgestoßenwerden aus einem soliden Objekt.
A5: Kondensation getrennter Elemente.
A6: Bild, welches allmählich deutlicher wird.
Verschwinden
D1: Nächtliches Verlöschen eines leuchtenden, strukturlosen UFOs.
D2: Plötzliches Verschwinden eines UFOs, das Strukturen besitzt.
D3: Bildung einer Wolke um ein UFO, die sich plötzlich ausbreitet, ohne dass das Objekt sichtbar bleibt.
D4: Verschwinden durch Zusammentreffen mit einem soliden Objekt.
D5: Auflösen, Verblassen oder vom-Wind-verteilt werden.
D6: Langsames Verblassen des Bildes vor dem Himmelshintergrund.
Gestalten/Wesen
H1: Plötzliches Erscheinen oder Verschwinden einer Gestalt außerhalb des Objekts.
H2: Allmähliches Erscheinen oder Verschwinden einer Gestalt außerhalb des Objekts.
H3: Plötzliches Auftauchen oder Verschwinden einer Gestalt an einem umschlossenen Ort.
H4: Allmähliches Erscheinen oder Verschwinden einer Gestalt an einem umschlossenen Ort.
H5: Erscheinen oder Verschwinden einer Gestalt durch eine Wand hindurch.

 

Weitere Klassifikationen

Harley Rutledge unterteilt UFOs i.e.S. in zwei Klassen, Klasse A (Flugkörper mit festen Strukturen und physikalischen Wechselwirkungen mit der Umwelt) und Klasse B (Kugelförmige Lichter oder Leuchtphänomene ohne Wechselwirkungen). Diese Unterteilung wurde später durch MUFON-CES um eine Klasse C erweitert, die speziell paranormale Lichter mit möglichem parapsychologischen oder religiös-sprirituellem Hintergrund enthält.

Willy Smith klassifiziert die beobachteten UFOs für das Projekt UFOCAT u.a. nach crafts (CR, Objekte mit fester Struktur), no objects – lights only (NO, reine Leuchterscheinungen), radar only (RO, reine Radarregistrierungen) und landing (LG, gelandete Objekte).

Von Rudolf Henke stammt eine Verifikation 1., 2. oder 3. Ordnung für die IFO-Fälle, die die Zuverlässigkeit der Erklärung angibt. Diese IFO-Verifikation wird teilweise von der GEP verwendet:

Verifikation 1. Ordnung = V1: Es liegt eine temporäre und geografische Übereinstimmung (Koinzidenz) zu bekannten Objekten vor, sehr gut verifizierte IFO-Fälle.
Verifikation 2. Ordnung = V2: Die Objektmerkmale gleichen den Merkmalen von bekannten Erscheinungen innerhalb des empirisch wie experimentell bestätigten Rahmens (wahrnehmungs)psychologischer Abweichungen, gut verifizierte IFO-Fälle.
Verifikation 3. Ordnung = V3: Die Objektmerkmale stimmen mit Merkmalen von mehreren bekannten Objekttypen überein, ausreichend verifizierte IFO-Fälle.


International sind die Klassifikationen nach Hynek, Hendry und Vallee am gebräuchlichsten. Aus heutiger Sicht finden manche Klassifikationen nicht immer ungeteilte Zustimmung, da bspw. die Hyneksche Einteilung rein objektorientiert sei und insbesondere psychologische Aspekte nur unzureichend berücksichtige. Hinsichtlich der Hendry-Klassifikation steht die Kritik im Raum, dass die Definitionen zu den UFOs i.e.S. nicht ausreichend beschrieben sind und die damit zusammenhängende Strangness bzw. anomalen Merkmale nicht eindeutig definiert sind und nicht zwischen (beobachterabhängigen) Schein- und Rest-Strangeness (nach Untersuchung) unterschieden wird. Ebenso wird kritisiert, dass die (subjektive) Strangeness als zur Einteilung nicht ausreichend sei und weitere (objektive) Parameter hinzugefügt werden sollten. Die Einteilung nach Rutledge hingegen sei nicht ausreichend an der Praxis kritischer Falluntersuchungen orientiert und nicht differenziert genug.

In Deutschland verwendet insbesondere die GEP die Hendry Klassifikation und versucht, die UFO i.e.S.-Klassifikation anhand der bislang vorhandenen eigenen Fälle schärfer zu definieren.


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