UFO-Phänomen-Forschung

Allgemeines

Seit Ende der 1940er Jahre gibt es eine bis heute andauernde Welle von Erzählungen, die zumindest teilweise unerklärlich scheinende Phänomene am Himmel zum Inhalt haben. Private Organisationen und Untersucher versuchen seitdem anhand der vorliegenden Aussagen, dem Phänomen »UFO« auf die Schliche zu kommen. Nicht zuletzt das unselige »fliegende Untertassen«-Klischee sowie die zweifelhafte Selbstdarstellung von Sektierern und »UFOlogen« verhindern ein seriöses Erscheinungsbild und es verwundert daher nicht, dass es seitens offizieller oder institutioneller Stellen kein weitergehendes Interesse an diesem Phänomen gibt und auch seitens der Medien das Phänomen selten ernsthaft behandelt wird. Die aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten stammenden Untersucher führen ihre Forschungen in der Regel als Freizeitbeschäftigung durch, dennoch geben die meisten Untersucher vor, seriös und nach wissenschaftlichen Kriterien vorzugehen. Es werden auch Untersuchungen, Analysen und Statistiken zur Begründung eigener Hypothesen angeführt, jedoch ist nicht immer ersichtlich, wie die jeweiligen Untersuchungen durchgeführt wurden oder wie die jeweiligen Ergebnisse zustande gekommen und begründet sind. Im Dunkeln bleibt oftmals auch die Art und Weise der Datenerhebung bzw. Informationsgewinnung. Auch die daran anschließende Bewertung der Daten ist oft nicht ersichtlich und Aussagen oder Statistiken sind schwer nachvollziehbar oder nicht überprüfbar.

Hierin liegt auch das Kernproblem der Untersuchung des UFO-Phänomens, die nahezu ausschließlich als Laienforschung stattfindet. Jeder kann sich als »Forscher« oder »Experte« bezeichnen, ohne jeden Nachweis einer hierfür geeigneten Qualifizierung. Daher überrascht es nicht, dass von »UFO-Forschern« präsentierte »Forschungsergebnisse« in Ermangelung der Anwendung wissenschaftlicher Regeln in der breiten Wissenschaft praktisch keine Beachtung finden, selbst wenn die erzielten Ergebnisse im Einzelfall korrekt sein mögen. Natürlich können sich auch wissenschaftliche Laien die Regeln methodischen Arbeitens aneigenen, ggf. über andere berufliche oder akademische Qualifizierungen, danach verfahren und fundierte Arbeiten erstellen. Entsprechende Arbeiten müssen aber einer besonders kritischen Rezeption standhalten. Zwar gibt es im anerkannten Wissenschaftsbetrieb Beispiele für eine funktionierende Laienforschung (bspw. Astronomie, Archäologie und Heimatgeschichte), allerdings haben diese ihre Wissenschaftstauglichkeit durch konsequente Anwendung der gängigen methodologischen Regeln bewiesen. Umgekehrt kann natürlich auch ein Wissenschaftler unwissenschaftlich vorgehen, methodische Fehler machen und gegen entsprechende Standards verstoßen, wofür es ebenso Beispiele gibt. Allerdings kann dies durch regulative Elemente leichter erkannt werden. Der Bereich der UFO-Phänomen-Forschung ist dadurch belastet, dass es keine einheitlichen Standards und keinerlei Selbstkontrolle oder irgendwelche regulativen Elemente gibt.

Zur Problematik der Laienforschung in der Anomalistik siehe die Texte von Hövelmann und Schetsche im Rahmen der Studie des Monats 06/2004 der GfA e.V.

Gegenstand der Forschung

Ein Streitpunkt in der UFO-Phänomen-Forschung ist die Frage, was denn der eigentliche Gegenstand der Untersuchung sei. Viele sehen die Aussage bzw. den/die Zeugen als den eigentlichen Untersuchungsgegenstand (subjektorientierte Forschung), der sich um die Rekonstruktion des beobachteten Geschehens und deren Bewertung bzw. dessen mögliche Identifizierung dreht. Diese Meinung vertritt auch der bekannte amerikanische UFO-Forscher Allen Hendry in seinem »UFO Handbook«. Andere Forscher sehen dies nur als Vorstufe und betrachten die Beschäftigung mit den mutmaßlich unidentifizierten Sichtungen aus (natur-) wissenschaftlicher bzw. technischer Sicht seitens befähigter Fachleute als die eigentliche UFO-Forschung an (objektorientierte Forschung). Darunter fällt auch die Bildung von verschiedenen Theorien. Ebenso umstritten ist die wahre Natur von Randgebieten und deren Relevanz für das eigentliche UFO-Phänomens, wie bspw. Begegnungen mit oder Entführungen durch Außerirdische, Tierverstümmelungen oder Kornkreise. Favorisieren Kritiker bei Begegnungen mit Aliens vorwiegend die psychosoziale Hypothese und verweisen auf die Unzulänglichkeiten der beliebten Informationsgewinnung mittels Hypnose, sehen andere hier durchaus Indizien für ein Eingreifen außerirdischer Intelligenzen.

Methodisches Vorgehen

Unabhängig von den jeweiligen Einstellungen, Meinungen oder vertretenen Hypothesen sollte ein methodisch gesichertes Vorgehen nach wissenschaftlichen Regeln Kern jeder seriösen Falluntersuchung und UFO-Phänomen-Forschung sein, denn nur eine methodisch solide Untersuchung kann wissenschaftlich verwertbare Daten liefern. Da UFO-Sichtungserfahrungen zur Gruppe der außergewöhnlichen menschlichen Erfahrungen bzw. Spontanereignisse gehören, unterliegen diese auch den bekannten Schwächen und Einschränkungen. Erschwerend kommt bei UFO-Sichtungserfahrungen hinzu, dass die beobachteten Phänomene sehr unterschiedlich auftreten können und es eine Vielzahl an möglichen Fehlinterpretationen herkömmlicher Objekte und Phänomene gibt, die jeweils in einer Untersuchung ausgeschlossen werden müssen.

Praktisch gar nicht thematisiert wird der mögliche Einfluss des an der Untersuchung und Beurteilung einer Sichtung beteiligten Untersuchers. Dabei ist in den meisten anderen Bereichen der Anomalistik, bspw. der Parapsychologie, der so genannte »Versuchsleiter-Effekt« eine mittlerweile anerkannte und berücksichtigte Größe. Ein analoger »Untersucher-Effekt« bei der Fall-Untersuchung, begründet durch die eigene Meinung des Untersuchers zum Phänomen und dem konkreten Fall, wird jedoch kaum behandelt. Gerade auch aus diesem Blickwinkel sollte jede Untersuchung gut dokumentiert und intersubjektiv überprüfbar sein.

Zum Thema methodisches Vorgehen bei UFO-Fall-Untersuchungen siehe auch den gleichnamigen  Artikel von Jochen Ickinger in der Zeitschrift für Anomalistik, Band 6 (2006).

 


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