Die UFO-Falluntersuchung

Grundsätzliches

  1. Da es keine anerkannte Ausbildung in diesme bereich gibt, kann praktisch jedermann als UFO-Forscher oder UFO-Falluntersucher Sichtungen untersuchen und Zeugen befragen. Nicht immer erfolgt dies jedoch nicht mit der notwendigen Professionalität und Methodik, so dass wissenschaftliche Ansprüche oft nicht erfüllt werden, was gerade bei interessanten Vorfällen und Sichtungen dann zu wertlosen Egebnissen führen kann. Allerdings gibt es auch viele Beispiele für gut funktionierende Laienforschung, wie bspw. die Hobbyastronomie. Einen Forschungskonsens innerhalb der UFO-Szene versucht man aktuell mit den "Grundsätzen redlicher wissenschaftlicher Praxis in der Erforschung des UFO-Phänomens" zu finden. wichtige Eigenschaften sind in jedem Fall eine Unvioreingenommenheit unf Offenheit und die Bereitschaft die eigene Arbeit und eigene Erkenntnisse immer wieder kritisch zu hinterfragen.

  2. UFO-Sichtungen zu untersuchen ist eine ehrenamtliche Arbeit und findet meist als Freizeitaktivität statt. Dazu gehört auch eine gewisse Mobilität, um Vorortuntersuchungen und Befragungen durchzuführen. Ebenso kann die Recherchearbeit zu den Umständen einer Sichtung und möglichen Erklärungen sehr zeitaufwändig sein.

  3. Ein UFO-Falluntersucher muss sich bewusst sein, dass über 90% aller eingehenden Sichtungsfälle von recht unspektakulären Objekten, Lichtern oder natürlichen Erscheinungen herrühren. Falluntersuchung ist die meiste Zeit über eher trockene Recherchearbeit. Hierzu gehören auch Kontaktaufnahmen zu verschiedensten Einrichtungen und Institutionen.

  4. Ein Falluntersucher muss somit nicht nur kontaktfreudig sein, sondern ebenso über eine gute und schnelle Auffassungsgabe verfügen. Manche Sichtungszeugen suchen gezielt Kontakt zu anderen, die Ihnen zuhören und bei denen sie sich wertgeschätzt fühlen. Ein Falluntersucher muss daher auch bis zu einem bestimmten Grad über eine psychologische und kommunikative Kompetenz verfügen. In schwierigen Fällen, wie bspw. Kontakte zu fremdartigen Wesen oder gar Entführungen, sollte die Person an kompetente und psychologisch geschulte Anlaufstellen verwiesen werden.

  5. Eine wichtige Basis für die Beurteilung einer Sichtung ist das Wissen um die verschiedensten irdischen und astronomischen Objekte, Naturphänomene und sonstigen Erscheinungen, die sich am Himmel zeigen können. Es ist daher eine absolute Voraussetzung, dass ein Falluntersucher sich mit den möglichen Stimuli als Auslöser einer Sichtungsmeldung auskennt und sich auch mit neuartigen Erscheinungsformen befasst, ggf. auch durch eigene Beobachtungen und Experimente.

  6. Da man als Falluntersucher interdisziplinär agiert, sind Grundkenntnisse in verschiedenen Fachbereichen, insbesondere Astronomie, Luftfahrt, atmosphärische Phänomene, Physik, Wahrnehmungs- und Zeugensychologie, aber auch in der Durchführung von Zeugenbefragungen, eine Voraussetzung. Die Vorgehensweise und Methodik sollle sich an einer forensischen Arbeitsweise orientieren.

  7. Ziel einer Falluntersuchung ist es, umfassende Informationen zur Sichtung zu erheben, auf Basis derer eine fundierte Beurteilung vorgenommen werden kann. Ziel ist dabei, entweder eine rationale Erklärung anbieten oder diese weitgehend ausschließen zu können. Im Ergebnis folgt die Beurteilung aufgrund der Wahrscheinlichkeit einer möglichen Erklärung, da sich nur selten ein endeutiger Beweis für oder gegen eine Identifizierung finden lässt. Grundlage sollte das bekannte Wissenschaftsprinzip des Ockhams Rasiermesser sein, demzufolge die einfachere, unkompliziertere These heranzuziehen ist, sofern diese das Phänomen hinreichend erklären kann.

Die Befragung eines Sichtungszeugen

Der Falluntersucher sollte den Sichtungszeugen zu Beginn sein Erlebtes ohne Unterbrechungen oder Zwischenfragen im chronologischen Ablauf berichten zu lassen. Es ist ratsam ein Diktiergerät nebenher laufen zu lassen, damit man sich nachträglich die Aussage des Zeugen nochmals anhören kann. Bevor man dies tut ist es unbedingt notwendig den Zeugen um Erlaubnis zu fragen. Alternativ dazu können auch eigene Notizen weiterhelfen. Fragen sollten erst danach gestellt werden. Auch ein Fragebogen sollte erst im Anschluss übergeben bzw. mit dem Zeugen ausgefüllt werden.

Ein weiteres Hauptkriterium ist es, egal wie sich der Zeuge verhält bzw. von was er berichtet, stets höflich und aufgeschlossen zu bleiben. Der Zeuge ist zu keiner Auskunft verpflichtet. Seine Bereitschaft eine Sichtung zu melden ist freiwillig und sollte daher vom Falluntersucher mit dem notwendigen Ernst respektiert werden. Schließlich liegt es im Interesse des Falluntersuchers dem Phänomen auf die Spur zu kommen.

In der Mehrheit der Fälle kristallisiert sich für den Falluntersucher bereits ein bekannter Stimulus, der für die Sichtung verantwortlich sein könnte, heraus. Voraussetzung hierfür ist ein fundiertes Wissen um die verschiedenen Arten und das Auftreten von Stimuli. Ebenso wächst mit den Jahren der Beschäftigung mit dem Thema auch die Erfahrung dazu. Ein ergänzender spezieller Fragebogen bietet die Möglichkeit, Detailangaben zur Sichtung zu erhalten, ebenso wie bspw. Zeichnungen und weitere textliche Angaben des Zeugen. Für den Falluntersucher bietet sich die Möglichkeit, einerseits vergessene Fragen über den Fragebogen beantwortet zu bekommen und andererseits die Angaben des Zeugen aus dem freien Bericht mit denen aus dem Fragebogen vergleichen zu können.

Wenn möglich, sollte sich der Falluntersucher zusammen mit dem Sichtungszeugen einen Eindruck des Erlebten direkt am Ort des Geschehens machen. Ein gemeinsamer Termin zur Besichtung des Ortes und seiner Umgebung haben schon so manches Rätsel gelöst. Wichtig wäre es den Ort zum gleichen Zeitpunkt zu besuchen wie am Tag der Sichtung. Ebenso hilfreich sind online-Kartendienste, wie bspw. Google Earth und StreetView, jedoch stellen sie keinen Ersatz für eine persönliche Begutachtung des Ortes dar.

Die Auswertung des Fragebogens

Sichtungs-Fragebogen bieten alle großen Vereine in Deutschland an. Inzwischen haben sich alle Vereine in einem Projekt auf einen weitghehend einheitlichen Fragebogen verständigt, der die Auswertung innerhalb der unterschiedlichen Vereine deutlich verbessert. Beispielhaft sei hier der Fragebogen der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) e.V. mit ihrem "Fragebogen zur Erfassung unidentifizierter Flugkörper und unbekannter Himmelserscheinungen" vorgestellt.

Neben den bereits oben aufgeführten positiven Eigenschaften eines Fragebogens ist noch hinzuzufügen, dass ein ausgefüllter und zurückgesendeter Fragebogen dem Falluntersucher zeigt, dass es der Sichtungszeuge mit seiner Meldung ernst meint und er starkes Interesse an einer Bearbeitung seines Falles hat. Der Sichtungszeuge bekräftigt zudem am Ende des Fragebogen mit seiner Unterschrift die Wahrhaftigkeit seiner gemachten Angaben. Eine nicht zu unterschätzende psychologische Hürde mögliche Schwindler fern zu halten.

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Bereitschaft solch einen Fragebogen auszufüllen und zurückzusenden von Seiten der Sichtungszeugen seit Jahren rückgläufig ist und sich der Falluntersucher bewusst sein muss, dass er hier Geld für Porto und Rückporto in Zweidrittel aller Fälle in den Sand setzt.

Im Fall einer Rücksendung des Fragebogens beginnt für den Falluntersucher dessen Auswertung. Zuerst sollte der Falluntersucher die gemachten Angaben mit den Angaben aus dem persönlichen Gespräch vergleichen. Kommt es zu deutlichen Differenzen oder Widersprüchen, steht neben einer Unsicherheit in der Beobachtung und Erinnerung auch ein möglicher Schwindel im Raum, auch wenn letzteres eher selten der Fall ist. Oftmals “schmücken” die Zeugen den Fragebogen aber auch unbewusst aus, um ihren Fall aufzuwerten und dem Ermittler zu gefallen bzw. "etwas zu bieten". Bei mehreren Sichtungszeugen sollte der Falluntersucher darauf bestehen, dass jeder Zeuge einen eigenen Fragebogen ausfüllt, bestenfalls ohne sich zuvor mit den anderen Sichtungszeugen besprochen zu haben. Nicht etwa, weil man den Sichtungszeugen einen Schwindel unterstellen will, sondern weil es in der Natur des Menschen liegt, dass man das eigene Erlebte mit den Erzählungen anderer vermischt. Je länger die Sichtung zurück liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Vermischung des Erlebten mit anderen Einflüssen (Erzählungen anderer Zeugen oder Medienberichte über den Vorfall) kommt. Diese äußeren Einflüsse müssen einerseits so gut es geht minimiert andererseits aber auch bei der Auswertung eines Fragebogens beachtet werden.

Ergeben sich für den Falluntersucher weiterhin offene Fragen, sind weitere Schritte zu unternehmen. Hierzu gehört der Austausch mit anderen Kollegen und die Einholung ihrer Einschätzung. Zudem ist der Falluntersucher dazu angehalten, regionale Stellen (wie Polizei, Amt, Wetterstation, Flughafensicherung, Sternwarte) und Medien zu kontaktieren und nach ähnlichen Meldungen aus dem gleichen Zeitraum zu befragen. Die Erfolgsaussichten hier nützliche Informationen zu erhalten sind aus der Erfahrung heraus nicht unbedingt gegeben, doch kann es sich im Einzelfall immer anders verhalten und sollte daher genutzt werden. Möglicherweise zeigt auch eine regionale Zeitung Interesse an dem Thema und ist bereit einen Meldeaufruf in der nächsten Ausgabe zu starten.

Aus der Erfahrung heraus lässt sich sagen, dass ein Falluntersucher, welcher die o.g. Prinzipien anwendet, in über 90% aller Fälle zu einer rationalen Erklärung kommen wird. Dank eines fundiertes Wissens um den Stimuli-Katlog und dem persönlichen Kontakt mit dem Sichtungszeugen gelingt es, in diesen Fällen eine mögliche Erklärung zu finden.

Dabei ist es wichtig zu beachten, dass es einem Falluntersucher nur selten gelingen wird den tatsächlichen Stimulus bis zu seinem Verursacher nachverfolgen zu können. Ein Beispiel: Wenn der Sichtungszeuge ein Objekt beschreibt dessen Aussehen und Flugeigenschaft jenem einer Himmelslaterne ähneln und es darüber hinaus keine Anomalien gibt, die auf solch einen Ballon nicht zutreffen können, dann ist der Falluntersucher dazu angehalten diese Sichtung als IFO (identifiziertes Flugobjekt) mit dem Stimulus Himmelslaterne zu klassifizieren, auch wenn er es nicht schaffen wird herauszufinden, welche Person diese Laterne in den Himmel aufgelassen hat.

In Fällen von bspw. Flugzeugen oder astronomischen Objekten hat der Falluntersucher mittels online abrufbaren Datenbanken die Möglichkeit herauszufinden, ob solch ein Objekt zum Sichtungszeitpunkt und -ort am Himmel zu sehen war. In Fällen von von Menschen aufgelassenen Ballonen zu Festen und sonstigen Ereignissen ist solch eine genaue Überprüfung unmöglich. Man muss hier mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. Ganz nach dem Prinzip: Wenn etwas aussieht wie ein Ballon und fliegt wie ein Ballon, dann war es auch ein Ballon.

Der Falluntersucher sollte sich die Arbeit machen und den Sichtungszeugen von seiner Erkläung für das Gesehene berichten. Dabei ist es vernachlässigbar, ob der Sichtungszeuge diese Erklärung akzeptiert oder nicht. In den meisten Fällen sind die Menschen dankbar, wenn man Ihnen erklären kann was sie gesehen haben. In einigen Fällen aber zeigen sich Menschen auch davon enttäuscht und wollen nicht akzeptieren, dass sie bspw. auf einen einfachen Ballon "hereingefallen" sind und sie werden versuchen ihr Erlebtes zu verteidigen und möglicherweise mit einer Anomalie zu schmücken, welche der Erklärung widerstreben würde. Der Falluntersucher ist nicht dazu verpflichtet sich auf weitere Diskussionen einzulassen. Mit der Abgabe seiner Erklärung hat er dem Sichtungszeugen seine Schuldigkeit getan.

Im letzten Schritt sollte sich ein Falluntersucher darum bemühen, dass der Fall umfassend dokumentiert wird, so dass die Untersuchung und Schlussfolgerungen auch von Dritten gut nachvollziehbar sind. Eine Bereitstellung  erfolgt am Besten mit der Eintragung der Sichtung und deren Hauptmerkmale in eine Sichtungsdatenbank, die man entweder selbst pflegt oder sich an eine der bereits bestehenden anhängt und die Daten dort einpflegt. Ebenso kann es für andere von Interesse sein, wenn ein Abschlussbericht des Falles in der Fachliteratur erscheint.

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