Jedes Jahr werden über dem kanadischen Himmel Hunderte von Objekten gesichtet, die sich einer einfachen Erklärung entziehen. Für das Jahr 2025 hat die Canadian UFO Survey, die jährliche, systematisch erhobene Sichtungsdatenbank Kanadas, nun seine neuesten Ergebnisse veröffentlicht: 1.052 gemeldete UFO-Sichtungen aus den Territorien des Landes. Der Bericht ist damit ein ernstzunehmender Datensatz, nicht nur für UFO/UAP-Forscher, sondern auch für Luft- und Raumfahrtbehörden, Wissenschaftler und Sicherheitsexperten.
Hintergrund der Studie
Hinter der Erhebung steht der Winnipeger Wissenschaftsautor und UFO-Forscher Chris Rutkowski, der die Survey seit 1989 jährlich herausgibt und inzwischen mehr als 26.000 kanadische UFO-Sichtungen katalogisiert hat. Die Daten stammen aus verschiedenen Quellen:
- öffentliche Meldungen von Augenzeugen
- Berichte nationaler und regionaler UFO-Forschungsgruppen
- die offizielle Luftfahrtvorfall-Datenbank von Transport Canada
Die Verwendung dieser Datenbank verleiht dem Survey eine besondere wissenschaftliche Glaubwürdigkeit, da hier auch professionelle Piloten und Lotsen als Zeugen auftreten – Personengruppen, die erfahrungsgemäß atmosphärische und technische Phänomene zuverlässig identifizieren können.
Was wurde gesichtet?
Die statistische Auswertung der 1.052 Meldungen ergibt ein klares Bild über die Art der gemeldeten Phänomene (s. auch Abb.):
| Merkmal | Anteil |
| Lichter am Himmel (häufigste Form) | 52% |
| Sphären/Kugeln | 11% |
| Dreiecke | 5% |
| Scheiben | 5% |
| Weiße Objekte/Lichter | 48% |
| Mehrfarbige Objekte | 16% |
| Tageslichtsichtungen | ~13% |
| Unidentifiziert | ~3% |

Besonders auffällig: 97% aller Meldungen ließen sich nach sorgfältiger Analyse auf bekannte Phänomene wie Sterne, Flugzeuge oder Satelliten zurückführen. Die verbleibenden rund 3%, etwa 31 Fälle, konnten nach Auswertung aller verfügbaren Informationen nicht befriedigend erklärt werden.
Regionale Verteilung: Ontario führt die Statistik an
Die Sichtungen verteilten sich über das gesamte Land, jedoch mit deutlichen regionalen Schwerpunkten (s. auch Abb.):
- Ontario – 307 Meldungen
- Québec – 210 Meldungen
- British Columbia – 131 Meldungen
Dies spiegelt erwartungsgemäß die Bevölkerungsdichte der Provinzen wider, lässt jedoch auch Fragen offen, ob in urbanen Regionen eine höhere Meldungsbereitschaft oder schlicht mehr Beobachter vorhanden sind.

Besondere ungeklärte Fälle aus 2025
Rutkowski hebt in seinem Bericht mehrere Fälle hervor, die trotz gründlicher Analyse keine Erklärung gefunden haben:
Hafford, Saskatchewan, Dezember 2025: Ein Autofahrer berichtet von einem silbernen, kuppelförmigen, scheibenartigen Objekt, das lautlos etwa sechs Meter über der Fahrbahn schwebte und quer über die Straße glitt.
Sudbury, Ontario, April 2025: Ein leuchtender orangefarbener Diamant wurde am Himmel beobachtet, der sich nach oben bewegte und sich dabei in eine Kugel verwandelte.
Vancouver International Airport: Ein im Anflug befindliches Flugzeug meldete ein mechanisch wirkendes, nicht identifizierbares Flugobjekt ohne Lichter in der Nähe des Flughafens.
Nord-Alberta, 39.000 Fuß Höhe: Ein weiteres Flugzeug meldete ein zylinderförmiges Objekt auf Reiseflughöhe – also in einem Bereich, in dem gewöhnliche Drohnen oder Ballons nicht operieren können.
Diese Fälle sind insbesondere deshalb wissenschaftlich relevant, weil sie von mehreren unabhängigen, geschulten Beobachtern gemeldet wurden oder in einer Höhe stattfanden, die konventionelle Erklärungen ausschließt.
Ruf nach einer Bundesbehörde
Ein zentrales Thema des Berichts ist die institutionelle Lücke in der systematischen Erforschung von UAP in Kanada. Ein 2025 veröffentlichter Bericht der obersten wissenschaftlichen Beraterin der Bundesregierung empfahl explizit die Gründung einer neuen föderalen Stelle, die UAP-Berichte standardisiert erheben, zusammenführen und wissenschaftlich auswerten soll.
Rutkowski selbst hatte in der Vergangenheit direkten Kontakt zu Transport Canada und den kanadischen Streitkräften und brachte Material für ein Briefing des damaligen Verteidigungsministers Harjit Sajjan ein. Sein Plädoyer ist klar:
„Es gibt keinen Beweis für Außerirdische, aber es gibt interessante Fälle ohne gute Erklärungen. Kanada braucht ein spezielles Büro für UAP-Forschung, um den Luftraum besser zu verstehen – und um das Stigma bei Zeugen abzubauen."
Was bedeuten die Daten?
Aus wissenschaftlicher Perspektive sind mehrere Schlussfolgerungen relevant:
1. Die hohe Erklärungsrate ist ermutigend. Dass 97 % aller Meldungen auf bekannte Phänomene zurückgeführt werden können, zeigt, dass systematische Analyse funktioniert. Es handelt sich nicht um einen unzugänglichen Bereich.
2. Die verbleibenden 3% sind methodisch interessant. „Ungeklärt" bedeutet nicht „außerirdisch" – es bedeutet, dass mit den verfügbaren Daten keine vollständige Erklärung möglich war. Fehlende Radardaten, unzureichende Zeugenberichte oder instrumentelle Einschränkungen können der Grund sein.
3. Die Rolle von KI und modernen Tracking-Technologien wächst: Rutkowski spricht sich öffentlich dafür aus, künstliche Intelligenz zur Mustererkennung in UAP-Berichten einzusetzen – ein Ansatz, den auch das US-amerikanische All-domain Anomaly Resolution Office (AARO) verfolgt.
4. Luftraumsicherheit als primäres Anliegen. Abseits von spekulativen Interpretationen ist die praktische Relevanz eindeutig: Unbekannte Objekte in kontrollierten Lufträumen und auf Reiseflughöhe stellen ein potentielles Sicherheitsrisiko dar – unabhängig davon, wer oder was sie steuert.
Fazit: Nüchterne Wissenschaft im Dienste des ungelösten Rätsels
Die Canadian UFO Survey 2025 ist ein bemerkenswertes Dokument – nicht weil er Beweise für außerirdisches Leben liefert, sondern weil er zeigt, wie eine ernsthafte, datengestützte Auseinandersetzung mit einem bislang unzureichend geklärten Phänomen aussehen kann. Chris Rutkowskis Arbeit über mehr als drei Jahrzehnte hat eine der umfangreichsten Datenbanken ziviler Luftraumbeobachtungen weltweit aufgebaut.
Dass nun auch auf Regierungsebene Stimmen laut werden, eine institutionalisierte UAP-Forschungsstelle zu schaffen, markiert einen kulturellen und wissenschaftspolitischen Wandel: Das Thema UFO bzw. UAP wird aus der Grauzone des Paranormalen herausgeholt und in den Bereich legitimer, empirischer Forschung überführt.
Für die Wissenschaft gilt dabei, was Rutkowski selbst als Leitmotiv nennt: Wissenschaftliche Neugier, ohne vorschnelle Antworten, aber auch ohne das Phänomen vorschnell abzutun.
Quellen: CP24 | CTV News | CTV News | CBC News | Sky Canada Report, ISED | Canadian UFO Survey
