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"Freedom of Information Act" - FOIA

Beim »Freedom of Information Act« (FOIA) handelt es sich ursprünglich um ein US-amerikanisches Gesetz aus dem Jahre 1966, das es erlaubt, auf Anfrage von Bürgern zuvor geheimgehaltenes Material seitens staatlicher Einrichtungen freizugeben. Bekannt wurde das Gesetz in der Ufo-Szene zum Einen aufgrund einer Initiative in den USA, die die Herausgabe geheimer UFO-Dokumente verlangte, zum Anderen auch durch die eigenen Veröffentlichungen diverser US-Behörden zum Ufo-Thema.

Den Anfang machte die Veröffentlichung des gesamten Materials aus dem Projekt Blaubuch (Blue Book) der US Air Force (1952 - 1969). So können hierzu bspw. sämtliche Akten und das komplette Fotomaterial angefordert werden.

Aktuell findet der FOIA seinen Ausfluss in der zunehmenden Freigabe von Dokumenten aus staatlichen Untersuchungsprojekten, nicht nur in den USA. Der Begriff FOIA wird an dieser Stelle stellvertretend auch für die Freigabe von Dokumenten aus staatlichen Projekten anderer Länder verwendet. Mit am Bekanntesten sind bspw. die seit Jahren andauernden, umfangreichen Veröffentlichungen des britischen Verteidigungsministeriums MoD. Ebenso gebräuchlich ist in diesem Zusammenhang der Begriff "Disclosure" (dt.: Enthüllung, Offenlegung).

In Deutschland findet dies seine Entsprechung im "Informationsfreiheitsgesetz" (IFG), das 2006 in Kraft trat und jedermann einen Rechtsanspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden gewährt. Die Gültigkeit umfasst nicht Einrichtungen der einzelnen Bundesländer. Bislang haben 10 Bundesländer für ihren Bereich ähnliche Gesetze erlassen. Zu Berühmtheit gelangte das IFG durch den so genannten "UFO-Prozess" am 01.12.2011, vor dem Verwaltungsgericht Berlin, wo unter Berufung auf dieses Gesetz die Einsicht in eine bislang nicht veröffentlichte Ausarbeitung seitens des wissenschaftlichen des Deutschen Bundestags zum Thema UFOs und Außerirdische verlangt wurde. Siehe dazu auf unseren Weblog zum Thema UFO-Prozess.

Situation in Deutschland

Für die Bundesrepublik Deutschland kann an dieser Stelle gesagt werden, dass es nach derzeitigem Kenntnisstand zumindest bis in die 1980er Jahre bzw. bis zur Wiedervereinigung keine derartigen Untersuchungsprojekte oder eine staatliche Stelle gab, wo solche Berichte zentral gesammelt, untersucht bzw. ausgewertet und dokumentiert wurden. Belegt ist dies durch einen Besuch kritischer deutscher Ufo-Forscher beim Führungsstab der Luftwaffe auf der Hardthöhe bei Bonn im Jahre 1983, auf eine Einladung hin, infolge eines damals von Ufologen verfassten "Memorandum an die Bundesregierung" mit der Forderung zur Veröffentlichung angeblich existierender, geheimer Ufo-Akten.

Berücksichtigt werden muss dabei auch die besondere Situation der früheren Bundesrepublik Deutschland bis 1990 und der teilweisen militärischen Hoheit der Alliierten. Inwieweit es nach der Wiedervereinigung ein Interesse oder eine Notwendigkeit zur Einrichtung einer solchen Untersuchungsstelle gab bzw. gibt, ist zweifelhaft.

Zwar wird seit einigen Jahren auf das 2003 gegründete "Nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum" (NLFZ) hingewiesen und auf Vorschriften, nicht identifizierte bzw. nicht authorisierte, Bewegungen im Luftraum dorthin zu melden. Aus diesen eher gewöhnlichen, militärischen Abläufen allerdings auf die systematische Untersuchung bzw. gar eine "UFO-Untersuchungsstelle" zu schließen, halten wir nach dem vorliegenden Kenntnisstand für unbegründet.

Siehe zum Thema geheime UFO-Akten in der Bundesrepublik Deutschland auch den Sonderband UFOs und Politik - der deutsche Weg.

Nachfolgend eine Übersicht von Ländern mit bekannten (halb-)staatlichen Untersuchungsstellen bzw. Links zu öffentlichen Ufo-Archiven.

Europa
Belgien: Freigabe von staatlichen Ufo-Akten (kein Dokumentlink bekannt).
Dänemark: Ufo-Akten der dänischen Luftwaffe. 2013 wurdne erneut über 320 Seiten neuer UFO-Akten der Luftwaffe veröffentlicht.
Frankreich: Ufo-Akten der frz. Raumfahrtagentur CNES werden über die frz. Ufo-Gruppe GEIPAN veröffentlicht. Siehe dazu auch »The GEPAN-SEPRA Report« und »The French COMETA Report«.
Großbritannien: Ufo-Akten des britischen Verteidigungsministeriums (MoD), erhältlich über das Nationalarchiv des UK Government. Anleitung zu den Ufo-Akten von Dr. David Clarke. Einige Hinweise zur ersten Tranche vom UK-Ufo Condign-Team. Ein Wiki des brit. Nationalarchivs zu den Ufo-Dokumenten.
Großbritannien: Diverse Ufo-Dokumente des MOD, mit Spezial über Unidentified Aerial Phenomena (UAP) in the UK Air Defence Region. Artikel über die Arbeit des »MOD UFO Desk«.
Italien: Seitens der italienischen Luftwaffe werden Ufo-Akten veröffentlicht.
Norwegen: Freigabe von staatlichen Ufo-Akten (kein Dokumentlink bekannt).
Portugal: Freigabe von staatlichen Ufo-Akten (kein Dokumentlink bekannt).
Russland: Seitens der russischen Marine wurden 2009 Ufo-Akten freigegeben (kein Dokument-Link bekannt).
Schweden: Die schwedische Gruppe Ufo-Sverige betreibt ein unfangreiches Archiv mit über 18.000 Sichtungsberichten seit 1973.
Ukraine: Bislang geheime Ufo-Akten überwiegend vom Hydrometeorologischen Zentrum der ukrainischen Luftwaffe werden über die ukrainische UFODOS veröffentlicht (nur in ukrainisch).

 

USA
The Black Vault, umfangreiches Portal zum Thema FOIA und Dokumentrecherche, nicht nur zum Thema Ufos.
Dokumentsammlung bei CUFON, "Verified Documents" und "Other Files".
Dokumentsammlung bei NICAP, "Official UFO Documents" und "Official Projects".
UFO-Akten des US-amerikanischen Senators Barry Goldwater bei presidentialufo.com. Darüberhinaus finden sich dort UFO-Dokumente zu mehreren US-amerikanischen Präsidenten.
PROJECT 1947, a world-wide effort to document the origins of the modern Ufo phenomenon. Hosted auch die Website zu "The Sign Historical Group".
»Scientific Study on Unidentified Flying Objects« (Condon Report). Abschlussbericht der Universität von Colorado von 1968, basierend auf dem Projekt Blaubuch (blue book)
»Project Blue Book Archive«, das digitalisierte Archiv des Projekts Blaubuch. Ein Teil der schriftlichen Dokumente (insgesamt 92 Mikrofilmrollen) und das komplette Fotomaterial (Rolle 93 und 94) sind verfügbar und können durchsucht werden. Möglichkeiten zum Download und Bestellen des Materials.
Ufo-Dokumente der NSA (umfangreich, umfangreich über 40 Dokumente).
Ufo-Dokumente der CIA, siehe dazu auch »CIA's Role in the Study of UFOs, 1947-90«.
Dokumente des FBI über "unexplained Phenomena" (Ufos, Roswell, Blue Book, Mutilations, MJ12). Siehe dazu auch »the FBI and UFOs«.
Das U.S. Departement of Defense zum Thema Ufos.
Auf der FOIA-Seite der  DIA finden sich im letzten Abschnitt 'Other available Records' auch UFO-Dokumente.
Dokumente der U.S. Air Force zum Projekt Bue Book und zu Roswell.
Portal des Naval Historical Center zu Ufos sowie U-2s, Ufos and Operation Blue Book.
Dokumente der NASA zum Thema Ufos. Siehe dazu auch NASA Factsheet: The US Government and Unidentified Flying Objects.

 

Andere Länder
Argentinien: Die argentinische Luftwaffe richtete Ende 2010 eine offizielle Forschungskomission zur Untersuchung von Luft- und Weltraumphänomenen ein. Eine Initiative argentinischer Ufo-Forscher fordert in dem Zusammenhang die Freigabe vorhandener staatlicher Ufo-Akten.
Australien: Bis 1996 wurden vom australischen Verteidigungsminisreriums Ufo-Sichtungen untersucht. nach Einstellung der Untersuchungen derartiger Sichtungen wurden alle Akten nach eigener Angabe vernichtet.
Über die Suche des australischen Nationalarchiv können einzelne UFO-Files gefunden werden (Bei keywords ufo eingeben).
Eine Übersicht an UFO-Dokumenten findet sich auch hier.
Aktuell können über die angegebene Suche auch die zuvor als vernichtet geltende Akten zum Rätsel des am 21.10.1978 verschollenen Piloten Frederick Valentich eingesehen und als 315-Seiten umfassendes PDF heruntergeladen werden (In der Suche bei keywords valentich eingeben und in der Ergebnisliste auf den Eintrag V116/783/1047 klicken). Siehe dazu auch auf dem ui-Weblog.
Im August 2012 wurden weitere Ufo-Dokumente freigegeben, einzusehen hier.
Brasilien: Ufo-Akten der brasilianischen Regierung wurden über das brasilianische Ufo-Magazin veröffentlicht. Ursprüngliche Downloadlinks sind nicht mehr aktiv, auf das Dokumentverzeichnis kann derzeit direkt zugegriffen werden. Alternativ sind die Kokumente auch über The Black Vault erreichbar.
Chile: Die chilenische Luftfahrtbehörde gründete 1996 einen Ausschuss für anomale Luftphänomene (CEFAA) zur Untersuchung entsprechender Sichtungsfälle, der auch diverses Material veröffentlicht. Informationen zu den Sichtungsfällen gibt s über den chilenischen TV-Sender La Tercera und UfoInfo.
Kanada: Über 9500 staatl. Ufo-Dokumente aus dem Zeitraum 1947 und den frühen 1980ern werden über die kanadische Library and Archives veröffentlicht.
Mexiko: 2004 veröffentlichte Mexiko seine staatlichen Ufo-Akten (kein Dokumentlink bekannt).
Neuseeland: Die Regierung gab Ufo-Dokumente aus den Jahren 1954 - 2009 frei, einsehbar hier.
PDF-Versionen der oben nur online einsehbaren Dokumente gibt es hier.
Uruguay: Nach 30 Jahren staatlicher Ufo-Untersuchungen legte die uruguayanische Luftwaffe die Akten offen. Die Zeitung El Pais bekam Einsicht und berichtete darüber (engl. Übersetzung).

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