Piloten und UFO-Beobachtungen

Die Frage hinsichtlich besonders glaubwürdiger und vor allem zuverlässiger Zeugen, in dem was sie beobachten und beschreiben, ist so alt wie die UFO-Forschung. Im Mittelpunkt steht dabei die Berufsgruppe der Piloten, denen man eine solche besonders hohe Zuverlässigkeit zurechnet. Das zeigt sich aktuell besonders in der Diskussion um die von Piloten der US-Navy beobachteten unidentifizierten Objekte, die regelmäßig auch als "trainierte Beobachter" hierzu gelten. Das ist wohl dem Umstand geschuldet, dass es, ohne Zweifel, eine hoch qualifizierte Berufsgruppe ist, die sich im selben Medium bewegt, wie üblicherweise die beobachteten unidentifizierten Objekte, in der Atmosphäre. So rechnet man Piloten auch eine hohe Fachkenntnis bei der Beurteilung dessen zu, was sie beobachten.

Allerdings haben bereits früh UFO-Forscher wie J. Allen Hynek oder Allen Hendry, ebenso wie der frühere NASA-Ingenieur James Oberg und andere Wissenschaftler, diese hohe Zuverlässigkeit relativiert, indem sie auf die hohe Rate an Fehlinterpretationen gerade auch bei Piloten und auch deren Täuschungsanfälligkeit aufmerksam machten. Letztlich gibt es für diese Argumentation auch keine Studien, die das stützen, zumal es seitens Erkenntnissen der Psychologie eher widerlegt wird. Die Autoren einer russischen UFO-Studie kamen zu demselben Schluss. Yuli Platov von der sowjetischen Akademie der Wissenschaften und Oberst Boris Sokolov vom Verteidigungsministerium untersuchten eine Reihe von Sichtungen im Jahr 1982, die Luftverteidigungseinheiten veranlassten, Düsenjäger einzusetzen, um die UFOs abzufangen. Platow und Sokolow erklärten, die Sichtungen seien durch Militärballons ausgelöst worden, die in größere Höhen aufstiegen als erwartet. "Die beschriebenen Episoden zeigen, dass selbst erfahrene Piloten nicht vor Fehlern bei der Einschätzung der Größe der beobachteten Objekte, der Entfernungen zu ihnen und ihrer Identifizierung mit bestimmten Phänomenen gefeit sind", schrieb Platov (s. Oberg "UFO book based on questionable foundation").

Ronald Fisher vom International Forensic Research Institute an der Florida International University in Miami unterrichtet Mitarbeiter des National Transportation Safety Board in der Befragung von Augenzeugen bei "kritischen Ereignissen" wie Flugzeugabstürzen. Er betont, wie wichtig es ist, zunächst die unverfälschten Sinneseindrücke zu erfragen, bevor man den Zeugen nach seiner Interpretation dessen fragt, was er gesehen zu haben glaubt: "Sobald sie anfangen, sich auf ihre Interpretation zu konzentrieren, wird dies die Erinnerung an ihre Wahrnehmungen verfälschen", und weiter: "Piloten sind anfällig für Überinterpretationen, insbesondere bei vagen, schnellen und unklaren Erlebnissen", fuhr er fort. "Je unklarer die Situation ist, desto mehr tragen Ihr Allgemeinwissen und Ihre Erwartungen [dazu bei]." Der Zeitablauf ist ein Feind der Genauigkeit, denn er gibt den Zeugen die Möglichkeit, "ihr allgemeines Wissen zu nutzen, um die Erinnerung an das Erlebte zu konstruieren." Als Zeugen von Dingen, die beim Fliegen gesehen werden, sind Piloten ein besonderer Fall. "Die Kosten für ein Falschnegativ sind höher als die Kosten für ein Falschpositiv", erklärte er. "Es ist wahrscheinlich ein Sicherheitsmechanismus." (s. Oberg "UFO book based on questionable foundation").

Die UFO-Berichte sind voll von Fällen spektakulärer Fehlinterpretationen, an denen regelmäßig auch Piloten beteiligt sind. Daher ist auch bei der Bewertung der Aussagen von Piloten Vorsicht geboten. In der Argumentation für Pilotensichtungen werden auch spezifische Datenbanken und Fallkataloge als Belege für außergewöhhnliche Phänomene angeführt (s. dazu weiter unten).

Auch Piloten selber weisen auf diesen Umstand der eigenen Anfälligkeit für Fehlinterpretation und Täuschung hin und verweisen dabei auch auf eigene Erlebnisse (s. bspw. hier: It’s a bird, it’s a plane, it’s fooling a veteran Air Force pilot!). Ein besonders anschauliches Beispiel schildert ein Fluglehrer: "Das UFO hatte die Form eines hellen Lichts, das sich auf einem Kollisionskurs mit sehr hoher Geschwindigkeit näherte - ein schnelles Abbremsen und Schweben - eine schnelle Beschleunigung weg vom Flugzeug des Autors, gefolgt von einem weiteren Abbremsen und Schweben. Diese offensichtliche Aufklärungsaktivität wiederholte sich etwa zehn Mal, danach tauchte das Objekt nicht mehr auf.". Er belies aber nicht dabei sondern suchte und fand schließlich eine Erklärung, die er auch nachstellen und bestätigen konnte. Das Ganze hat er in einem Fachartikel verarbeitet (A scientist in the cockpit: The case history and analysis of a UFO sighting).

Aus wissenschaftlichen Kreisen möchten wir nachstehend zwei Kommentare zu diesem Thema vorstellen, von denen wir den ersten auszugsweise und den zweiten als Zitat hier wiedergeben möchten. Der erste stammt von Don Lincoln, Wissenschaftler am Fermilab, der zweite von Matthew Sharps, forensischer Psychologe an der Universität von Fresno. Ferner verweisen wir auf den Artikel zu diesem Thema von James Oberg auf NBC News.

Warum Piloten UFOs sehen

So der Titel ders Kommentars von Don Lincoln, leitender Wissenschaftler am Fermi National Accelerator Laboratory (Fermilab in Batavia, Illinois) und Autor mehrerer wissenschaftlicher Bücher. Er bezieht sich dabei auf die jüngste Berichterstattung zu UFO-Meldungen seitens Navy-Piloten und der in dem Zusammenhang bekannt gewordenen Videos, die allgemein Aufmerksamkeit erregten. Angesichts der dabei aufgeworfenen Frage, ob es "Aliens" seien, meint Lincoln, dass es weitaus plausibler wäre, anzunehmen, dass es für die Beobachtungen eher gewöhnliche Erklärungen gibt.

Lincoln ist sich angesichts der Professionalität der Piloten sicher, dass sie tatsächlich ein nicht identifiziertes fliegendes Objekt gesehen haben, was auch kritische Forscher keineswegs bestreiten. Zu recht weist er aber darauf hin, dass die Assoziation von "nicht identifiziert" hin zu Aliens in "fliegenden Untertassen", mangels konkreter, glaubwürdiger Beweise, ein zu großer unbegründeter Sprung ist. Es fehlen materielle Artefakte, klare, eindeutige Fotos, gefangene Außerirdische oder entsprechende Leichen. Tatsächlich bedeutet "nicht identifiziert" eben genau das. Im Wesentlichen haben wir es mit Augenzeugenberichten und fragwürdigen Fotos bzw. Videos zu tun. Lincoln weist dabei völlig richtig auf die prinzipielle Unzuverlässigkeit von Augenzeugenberichten hin und merkt an, dass ein Großteil an gerichtlichen Fehlurteilen auf fehlerhaften Augenzeugenberichten beruht, die im Nachhinein durch objektive DNA-Beweise korrigiert wurden. "Im Falle eines so außergewöhnlichen Ereignisses wie der Beobachtung eines außerirdischen Raumfahrzeugs reichen Beweise von Passanten einfach nicht aus." so Lincoln.

Die Piloten können ein reales Objekt gesehen haben, das sie nicht identifizieren und erklären konnten oder es gab instrumentelle Artefakte, die im Grunde genommen auch elektronische Fehlfunktionen gewesen sein können (kurz vor den Radarkontakten wurde ein neues Radarsystem in die Flugzeuge eingebaut). Zu dem Nimitz-Vorfall vor San Diego gab es zuvor Berichte über Höhenradarkontakte von Schiffen und kurz vor der bekannten Aufnahme der Infrarotkamera eines Kampfflugzeugs gab es Berichte über etwas im Wasser oder knapp unterhalb der Wasseroberfläche. Es gab also merere Beobachtungen mehrerer Phänomene, aber nicht mehrere Beobachtungen desselben Phänomens. Lincoln stellt dazu fest, dass es "... übereilt (wäre), diese unabhängigen Beobachtungen miteinander zu verknüpfen." Er spricht da einen klassischen, argumentativen Fehlschluss an, indem nämlich mehrere zeitlich oder örtlich korrelierende Ereignisse als Kausalkette interpetiert werden. Allerdings bedeutet Korrelation nicht zwangsläufig auch Kausalität. Jeder, der sich grundlegend mit Statistik befasst hat, kennt diesen Grundsatz.

Lincoln sieht hinsichtlich des Pentagon Programms Parallelen zum früheren Projekt Blue Book, und dass es bei beiden vorrangig um die Aufklärung und Identifizierung möglicher militärischer Bedrohungen anderer Staaten im eigenen Luftraum ging (Erkennen, was sich im eigenen Luftraum bewegt). "Die Enthüllung des Advanced Aerospace Threat Identification Program macht deutlich, dass es sich im Grunde um eine neue Inkarnation des Project Blue Book handelte. Berichte über Lichter am Himmel von nüchternen und gut gemeinten Militärpiloten mussten verstanden werden. Während die wahrscheinlichste Ursache eine fehlerhafte Instrumentierung, ein Pilotenfehler oder einfach falsch identifizierte häufige Phänomene sind, lohnt es sich offensichtlich, sie zu untersuchen. Immerhin könnten zumindest einige der Berichte interessant sein."

Aber auch wenn ein Besuch von Außerirdischen derzeit eher unwahrscheinlich ist, "sollten wir diese Möglichkeit weiter untersuchen, solange die geringste Wahrscheinlichkeit besteht, dass es Flugobjekte gibt, deren Fähigkeiten über die der Menschheit hinausgehen. Wenn diese Objekte real sind und sich tatsächlich so bewegen, wie die Piloten es meldeten, ist dies eine Sache, über die jedes Militär Bescheid wissen möchte, da es eine ihrer Hauptaufgaben ist, sich der glaubhaften Bedrohungen bewusst zu sein." so Lincoln weiter und befürwortet, dass die aktuellen Berichte deshalb auf jeden Fall untersucht werden sollen. Lincoln schließt damit, dass er aber auch "sehr überrascht (wäre), wenn sich herausstellen würde, dass die Berichte alles andere als gewöhnlich sind." Sofern man einen außerirdischen Ursprung für denkbar hält, sollte man auch das SETI-Programm zur Suche nach außerirdischen Zivilisationen anhand künstlicher Funksignale angemessen finanzieren. Lincoln bezweifelt auch die Notwendigkeit für eine fortgeschrittene außerirdische Zvilisation, sich mit Flugkörpern in unmittelbarer Nähe von Militäreinrichtungen oder Kraftwerksankagenzu bewegen, wie vielfach auch behauptet, und würde eher von fortgeschrittenen Methoden der Fernaufklärung aus dem Orbit ausgehen, die wir selber bereits einsetzen.

Den Kernaussagen des Kommentars, dass man von tatsächlichen Beobachtungen ausgehen könne, die auch untersucht werden sollten, man aber gleichzeitig Beobachtungen "nicht identifizierter" Objekte im Luftraum nicht mit Aliens und außerirdischen Raumschiffen gleichsetzen dürfen, können wir uns anschließen. Das Thema möglicher Radarartefakte bzw. Fehlfunktionen wurde bereits im Zusammenhang mit den Radarbeobachtungen thematisiert, ebenso wie Erklärungsmöglichkeiten bzgl. der verbreiteten Infrarotvideos.

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Prof. Matthew J. Sharps, forensischer Psychologe an der California State Universität in Fresno, mit dem wir einen sehr informativen Austausch pflegen, hat ein kleines Essay zu diesem Thema geschrieben, das wir hier mit seiner freundlichen Erlaubnis in Deutsch abdrucken.

Zur Frage der Pilotenkompetenz und der UFO-Beobachtung und -Identifizierung
Matthew J. Sharps
Professor für Psychologie, California State Universität, Fresno

Es wird oft behauptet, dass Piloten und anderes Flugpersonal mit ihrem Fachwissen über Luftfahrt und dessen Systeme am besten geeignet sind, UFO-Phänomene zu beobachten und zu beurteilen. Bei dieser Überlegung sind jedoch mehrere Vorbehalte angebracht.

Piloten und Flugzeugbesatzungen verfügen offensichtlich über Fachwissen in Bezug auf Flugzeuge, Verständnis von Flugzeugsystemen und -technik, Navigation, Flugzeugbetrieb und so weiter. Aber gilt dieses spezifische Fachwissen auch für andere Bereiche als die Luftfahrt an sich?

Diese Fragen wurden bereits von Platon aufgeworfen, natürlich nicht im Bereich der Luftfahrt, aber dennoch von Bedeutung. Im Protagoras weist Platon darauf hin, dass man beim Bau einer Mauer die Steinmetze konsultiert, während man beim Bau eines Schiffes die Schiffsbauer konsultiert. Bei beiden Tätigkeiten geht es um das Bauen, aber die entscheidenden Unterschiede ergeben sich daraus, was gebaut werden soll. Das entsprechende Fachwissen ist bereichsspezifisch und nicht universell für alle Bautätigkeiten.

Ähnliche Überlegungen ergeben sich bei der Betrachtung der Steuerung von Flugzeugen und UFOs. In beiden Fällen geht es um Dinge und Aktivitäten am Himmel, aber die entscheidenden Unterschiede ergeben sich daraus, was genau am Himmel beobachtet und interpretiert werden soll.

Piloten, und natürlich auch anderes Flugpersonal, haben eine formale Ausbildung in bestimmten Aspekten der Meteorologie und Astronomie, aber typischerweise mit Bezug auf das anzunehmende Spektrum der Ereignisse, denen sie normalerweise wahrscheinlich begegnen. Bei UFO-Beobachtungen, die auf atmosphärische oder astronomische Faktoren zurückzuführen sind, geht es jedoch in der Regel um anormale Umstände der Astronomie und Meteorologie (z.B. Sharps, 2014), nicht um die typischeren, in denen Flieger normalerweise geschult werden; und sofern die betreffenden Flieger nicht auch speziell in Meteorologie oder Astronomie geschult sind, was über die normale Ausbildung von Luftfahrtfachleuten hinausgeht, hätte ihre fliegerische Ausbildung nicht unbedingt einen Einfluss auf die relative Genauigkeit der Beobachtung oder Interpretation. Die Fähigkeit, verschiedene Arten von Gewitterfronten und Wolken zu erkennen, hat beispielsweise keinen Einfluss auf die Fähigkeit, mit dem Arkanum sehr atypischer Wetterfaktoren umzugehen, ebenso wenig wie Kenntnisse in Himmelsnavigation einen Piloten zu Kenntnissen über die Fehlwahrnehmung der Venus durch industriellen Dunst oder über die verschiedenen Arten von Sternen, auf denen die Navigation beruht, führen.

All dies mag dazu beitragen, dass J. Allen Hynek (1977), einer der Hauptbeteiligten am U.S. Air Force Project Blue Book, schon früh in der modernen UFO-Forschung feststellte, dass Piloten in der Regel schlechter in der Lage waren, UFOs richtig zu identifizieren, als Angehörige vieler anderer Berufsgruppen. Hynek fand heraus, dass selbst die besten Einzelzeugen im Durchschnitt zu einer Fehlwahrnehmungsrate von 65 % tendierten. Bei Flugzeugpiloten stieg diese Rate jedoch deutlich an. Der Prozentsatz der Fehlwahrnehmungen lag Berichten zufolge sowohl bei Militär- als auch bei Verkehrspiloten als Einzelzeugen in den hohen 1980er Jahren.

Das Luftfahrtpersonal hat möglicherweise auch eine ganz andere Denkweise als Wissenschaftler und diejenigen, die sich speziell für das UFO-Phänomen interessieren. Wie Wolfe (1979) in seinem informellen, aber zum Nachdenken anregenden Buch The Right Stuff feststellte, neigen Piloten dazu, sich vernünftigerweise sehr stark auf ihre Missionen und den Betrieb ihrer Flugzeuge im Dienste dieser Missionen zu konzentrieren. Dies lässt wenig Zeit für wissenschaftliche Spekulationen oder Verwunderung, und diese Fokussierung auf die Mission ist für den erfolgreichen Einsatz in der Luft unerlässlich. Dies wurde beispielsweise bei der Rückkehr der Apollo 11-Mondmission aus dem All deutlich, bei der die Astronauten eine Vielzahl seltsamer visueller Phänomene feststellten, diese aber im Wesentlichen ignorierten. Der Astronaut Buzz Aldrin hat in Interviews darauf hingewiesen, dass das Hauptaugenmerk der Astronauten auf der erfolgreichen Rückkehr zur Erde lag; Apollo 11 hatte seine Mission erfüllt, und der komplexe Betrieb des Raumschiffs ließ einfach keine Zeit für wissenschaftliche oder philosophische Überlegungen zu merkwürdigen Lichtpunkten im umgebenden Raum.

Trotz vieler gegenteiliger moderner Behauptungen, für die es derzeit keine stichhaltigen Beweise zu geben scheint, scheinen Hyneks Originaldaten und die hier erörterten psychologischen Überlegungen ein übermäßiges Vertrauen auf die Berichte des Luftfahrtpersonals bei der Untersuchung von UFO-Phänomenen auszuschließen. Fachwissen in der Luftfahrt ist natürlich bewundernswert und in der Tat unerlässlich, wenn Flugzeuge erfolgreich von einem Ort zum anderen gelangen sollen; aber so wie der Erbauer einer Mauer nicht derselbe ist wie der Erbauer eines Schiffes, lassen sich Ausbildung und Erfahrung in der Luftfahrt nicht unbedingt auf die wissenschaftliche oder philosophische Betrachtung von UFO-Phänomenen übertragen.


Referenzen
Hynek, J.A. (1977). The Hynek UFO Report. London: Sphere Books.
Plato, tr. W.R.M. Land. (1924). Protagoras. Cambridge, MA: Harvard University Press.
Sharps, M.J. (2014). UFOs and cognitive science: A case study. Skeptical Inquirer, 38(3), 52-55.
Wolfe, T. (1979). The Right Stuff. New York: Farrar, Straus, & Giroux.

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Spezielle Reportingsysteme und Fallkataloge für luftfahrtbezogene UFO-/UAP-Sichtungen

Im Zuge der vermeintlich höheren Zuverlässigkeit von Piloten ist es wenig überraschend, dass es auch spezielle Reportingsysteme gibt, in denen diese eigene Beobachtungen erfassen können, die dann in einer Datenbank gesammelt werden. Betreiber solche Datenbanken sehen die darüber gesammelten Berichte gerne als beste Beweise für einen anomalen, vorzugsweisen extraterrestrischen, Hintergrund des UFO-Phänomens. Leider ist oft unklar, inwieweit bei den gesammelten Berichten eine Untersuchung stattgefunden hat oder ob die Berichte lediglich gesammelt werden. Da teilweise auch anonym Berichte abgegeben werden, können hier die prinzipiell wichtigen Zeugenbefragungen, auch zur Klärung offener Fragen, nicht durchgeführt werden. Die Systeme bieten teilweise auch Auszüge aus den erfassten Berichten, so dass man sich auch eine eigene Meinung darüber bilden kann.

Die bekannteste Datenbank dürfte das vom amerikanischen UFO-Forscher Richard F. Haines gegründete "National Aviation Reporting Center on Anomalous Phenomena" (NARCAP) sein, von dem es auch einen deutschen Ableger gibt. NARCAP wendet sich an Piloten und Flugpersonal, die hier Beobachtungen und Vorfälle mit nicht identifizierten atmosphärischen Phänomenen (Unidentified Aerial Phenomena, UAP) erfassen können. Auf der Seite können diverse Berichte und Studien heruntergeladen werden. Nähere Angaben zu den erfassten Sichtungen finden sich jedoch nicht.

Ferner existieren Fallkataloge einzelner Gruppen oder Forscher mit unterschiedlichen Schwerpunkten, auch zu Vorfällen im Luftraum bzw. aufgrund von Pilotenberichten, wie der AirCat-Katalog des Italieners Marco Orlandi von der Gruppe CISU oder aus Spanien der Spanish Aircat von Vicente-Juan Ballester Olmos und Joan Plana. AKM bekanntesten dürfte der umfassende "Catalog of Military, Airliner, Private Pilots’ Sightings" von Dominique Weinstein sein, der hierzu regelmäßig zitiert wird. Mit Stand 2001 umfasst der Katalog über 1300 Fälle. Sein Problem, wie das vieler anderer Fallkataloge auch, ist die reine Sammlung von Sichtungsberichten, noch dazu aus ganz unterschiedlichen Quellen. Besagter Katalog enthält auch nur knappe Angaben, so dass sich daraus keine Schlussfolgerungen über Art und Hintergrund der Sichtungen ableiten lassen, ohne die Originalquellen einzusehen. Dass sich auch hier mehrfach herkömmliche Objekte und Phänomene verbergen, zeigen die Recherchen einzelner Fälle aus dem Katalog bspw. durch Tim Printy in seinem Magazin SUNlite, unter der Rubrik "Weeding out The Weinstein catalog". Die französische Seite RR0 ("R.R. Zéro") enthält eine Übersicht einschlägiger Fallkataloge. Diese sind aber nicht immer aktuell oder werden beständig gepflegt.

Neben diesen der UFO-Szene entstammenden Datenbanken gibt es auch ganz offizielle Datenbanken, die bspw. Luftraumzwischenfälle erfassen und auswerten. Solche Systeme existieren vorwiegend auf staatlicher Ebene und werden von zivilen und militärischen Experten betrieben. Ein Beispiel ist das britische UK Airprox Board (UKAB), das Nahbegegnungen von Flugzeugen mit anderen Objekten im Luftraum erfasst und hinsichtlich Sicherheitsrisiken (Kollisionsgefahren) untersucht und auswertet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf eher kleine unbemannte Luftfahrzeuge (small unmanned air systems, SUAS), die in solche Vorfälle verwickelt sind, wie Drohnen oder Ballons. Daneben findet sich auch eine Kategorie für "unknown objects", deren Herkunft nicht eindeutig bestimmbar ist ("unable to determine the nature of the object"). Auf der UKAB-Seite können umfangreiche Berichte und Zusammenstellungen abgerufen werden. Michael Hudson von der britischen UFO-Organisation BUFORA hat aus diesen Daten eine Exceltabelle erstellt, in der die Vofälle mit Unbekannten Objekten enthalten sind.

Die nachfolgende Grafik aus dem Jahresreport 2017 zeigt die Entwickkung der Vorfälle für die Jahre 2010 bis 2017.

Quellen:
It’s a bird, it’s a plane, it’s fooling a veteran Air Force pilot!
A scientist in the cockpit: The case history and analysis of a UFO sighting
UFO book based on questionable foundation
Why pilots are seeing UFOs
Keep looking for UFOs
Catalog of Military, Airliner, Private Pilots’ Sightings
Catalogues de cas (Liste von Fallkatalogen, französisch)
NARCAP
UK Airprox Board
Airprox Reports
UKAB Unknown Objects Reports (Excel)

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