Erich von Däniken wird 80

- Tagungsbericht zum "großen internationalen Erich-von-Däniken-Kongress"

von Philippe Leick

Foto 1: Erich von Däniken mit einleitenden Worten zu Beginn des Kongresses

Zu Ehren des 80. Geburtstages Erich von Dänikens (*14.04.1935) fand vom 11. bis 12. April in Sindelfingen bei Stuttgart ein großer internationaler Kongress statt. 2500 Besucher und 300 Ehrengäste waren angereist, um dem Doyen der Prä-Astronautik die Ehre zu erweisen. Insgesamt war es ein buntes, aber vorwiegend älteres Publikum – vermutlich waren viele der Teilnehmer von-Däniken-Fans der ersten Stunde. Sehr professionell organisiert wurde die Veranstaltung vom umstrittenen und rechtspopulistischen Kopp-Verlag.

Foto 2: Ein Blick in die vollbesetzte Messehalle in Sindelfingen

Auf dem Programm standen 9 Vorträge von Freunde und Weggefährten von Dänikens, als krönender Abschluss am Ende sprach der Jubilar selbst, es wurde ein fast zweistündiger Tour-de-Force durch seine Ideen und sein Werk. Allen Rednern konnte man ohne weiteres einen souveränen Vortragsstil und einen hohen Unterhaltungswert attestieren. Ein Bericht des Veranstalters zum ersten Tag findet sich hier.

Moderator Marcus Gärtner, Autor zahlreicher Wirtschaftsbücher im Kopp-Verlag, leitete den Kongress mit den Worten ein, hier sei „die UN-Vollversammlung der Grenzwissenschaften versammelt.“

Tag 1

Als erster Redner trat Robert Bauval nach vorne. Er sprach über die ungelösten Rätsel der großen Pyramide. Seine Kernthese: Die Anordnung von Nil und der Pyramiden von Gizeh soll sehr exakt im Nachthimmel wiederzufinden sein, und zwar im Milchstraßenband und den 3 Sternen in Orions Gürtel. Diese exakte Übereinstimmung soll allerdings nicht für die Zeit um 2600 vor Christus gelten, in dem die Pyramide gemäß der „orthodoxen“ Ägyptologie erbaut wurde, sondern für eine viel frühere Epoche – ca. 10500 vor Christus. Bauval folgert daraus, dass die Pyramide viel älter ist als gemeinhin angenommen, und dass die Erbauer in der Sprache der Astronomie eine Botschaft für spätere Generationen hinterlassen haben.

Wie bei vielen der nachfolgenden Redner beschleicht den skeptischen Zuhörer der Eindruck, dass Bauval einige interessante Dinge entdeckt hat, diese aber allesamt durch die Brille „seiner Story“ interpretiert. Eine Auseinandersetzung mit alternativen Erklärungen findet nicht ernsthaft statt.

Foto 3: Robert Bauval während seinem Vortrag zu den Pyramidengeheimnissen

Es folgt ein Beitrag von Peter Fiebag über den finalen Sprung der Menschheit. Damit ist aber kein zukünftiges Ereignis gemeint, sondern die Zeit vor etwa 40.000 Jahren, als die kulturelle Evolution des Homo Sapiens sich stark beschleunigte. Mit Argumenten, die vom Intelligent Design gut bekannt sind, zieht er in Zweifel, dass diese Evolution auf rein natürliche Art und Weise stattfinden konnte. Bei Fiebag ist es aber nicht der Eingriff Gottes, sondern außerirdischer Intelligenzen, der den Menschen auf ein kulturell modernes Niveau brachte. Womit natürlich die Frage zu stellen ist, wer dieser fortgeschrittenen außerirdischen Rasse auf die Sprünge geholfen hat.

Seine Kritik wird der Evolutionstheorie aber nicht gerecht. Aus naiv oder falsch verstandener Evolution baut er sich eine Karikatur zusammen, die er dann höchst polemisch in Zweifel zieht. Fiebag zufolge ist etwa die menschliche Sprache ein Beispiel „nichtreduzierbarer Komplexität“; dabei verschweigt er, wie viele unterschiedliche Formen einfacher „Sprache“ es im Tierreich gibt, und dass andere Beispiele nichtreduzierbarer Komplexität (z.B. das Auge) einer kritischen Überprüfung nicht standgehalten haben. Auch Zwischenstufen zum voll entwickelten Auge scheinen sehr nützlich zu sein und können sich daher evolutionär ausbilden.

Vom Konzept der sexuellen Selektion, dass schon Charles Darwin geläufig war, scheint Fiebag ebenfalls nie gehört zu haben. Es zeigt eindrucksvoll, dass evolutionäre Anpassungen nicht immer für das Überleben der Individuen von Vorteil sind. Bekanntestes Beispiel ist das beschwerliche Federkleid männlicher Pfauen, dessen einzige Funktion es ist, Weibchen zu beeindrucken. Der Träger dieser Federn signalisiert seinem potentiellen Geschlechtspartner, welchen unnützen Luxus er sich leisten kann.

Schlussendlich möchte man fragen, warum die Aliens, die es damals offenbar richtig gut mit uns meinten, keine der vielen Schwachstellen im Bauplan des Homo Sapiens beseitigt haben!

Foto 4: Peter Fiebag und seine Frage nach der menschlichen Evolution

Im dritten Vortrag berichtete Michael Tellinger über die untergegangene Hochkultur Südafrikas. Es ging vielversprechend genug los mit beeindruckenden Bildern von Steinkreisen, die teilweise komplexe Formen aufweisen und über keinen Eingang verfügen. Oft sind auch zahlreiche dieser Strukturen miteinander verknüpft. Weiter berichtet er über „Adam‘s Calendar“, einer Steinstruktur, die Tellinger zufolge das älteste Bauwerk Südafrikas ist und als Kalender gedient haben soll.

Danach driftete Tellinger allerdings ins Absurde ab: Schall als ultimative freie Energiequelle, als Schöpfung (das Wort der Bibel, das Om der Buddhisten, den Gesang der alten Ägypter) sowie konische Formen als Steuerinstrument des Schalls. Weiter geht es mit der Idee, dass Stein und Computerchips aus dem gleichen Material Silizium bestehen, alte Bauwerke daher mitunter gigantische Computer und Kraftwerke früherer Kulturen waren – „the Silicon Valley of Old“. Auf Details wie die ganz unterschiedliche Struktur von Stein (elektrischer Isolator, in der Regel schwer verunreinigtes SiO2) und Computerchips (hochreines, mit geringen Mengen an Fremdatomen dotiertes halbleitendes Si) wurden natürlich nicht angesprochen.

Von selbst versteht sich, dass die alten Südafrikaner nicht in der Lage waren, solche Wunder zu vollbringen. Dafür waren die Annunaki zuständig, außerirdische vom Planeten Nibiru, die die menschliche Rasse als Sklavenarbeiter in ihren Goldminen gezüchtet haben und nach einer Rebellion von der Erde vertrieben wurden. Die vermeintliche Annäherung Nibirus an die Erde und die Rückkehr der Annunaki sorgte dementsprechend 2012 in manchen Kreisen für große Sorge.

Seinen Vortrag beendete Tellinger mit einem Rundumschlag gegen die Finanzindustrie, der ihm stehende Ovationen einbrachte.

Foto 5: Von Südafrikas Rätseln zur internationalen Hochfinanz. Michael Tellingers Vortrag beinhaltete viele Themen.

Der vierte Redner des ersten Tages war der Schweizer Autor Luc Bürgin, seines Zeichens Herausgeber der Zeitschrift „Mysteries“. Sein Thema war Chinas mysteriöses Höhlenlabyrinth. Der Vortrag war ein schön bebilderter Reisebericht zum Höhlensystem von Huangshan, einem gigantischen und wenig bekanntem System zahlreicher Höhlen, die offenbar vor knapp 2000 Jahren mit enormen Aufwand künstlich erschaffen wurden. Zu welchem Zweck dieser riesige Aufwand betrieben wurde ist aber vollkommen unklar. In alten Dokumenten werden die Höhlen nicht erwähnt, in den Höhlen selbst finden sich keinerlei Inschriften, und als Lager waren sie wegen der hohen Feuchtigkeit nicht geeignet.

Zwar konnte auch Bürgin es nicht lassen, mehr „Mystery“ einzubringen als nötig, aber insgesamt war sein Vortrag angenehm frei von alten Aliens.

Foto 6: Luc Bürgin zeigte Fotoaufnahmen des gigantischen Höhlensystems in China.

Letzter Vortragender des ersten Tages war Graham Hancock, der über die Zauberer der Götter sprach. Gleich zu Beginn stellte er klar, dass er von Erich von Däniken inspiriert wurde, aber in vielerlei Hinsicht seine Meinungen nicht teilt. Dies illustrierte er beispielhaft an einigen alten Stätten, wo er seine (deutlich plausiblere) Interpretation von Dänikens antiken Astronauten gegenüberstellte.

Aus der Zeit um 10500 vor Christus stammen einige der ältesten menschlichen Ruinen, so etwa Göbekli Tepe in der Türkei und Gunung Padang in Indonesien. Diese Zeit entspricht dem jüngeren Dryas, einer gut 1000 Jahre andauernden extremen Kälteperiode. Hancock zufolge wurde sie durch Kometeinschläge auf der nordamerikanischen Eisplatte hervorgerufen, diese Hypothese gilt unter Wissenschaftlern allerdings als extrem umstritten. Hancock führt weitere Beispiele megalithischer Ruinen an; er bezweifelt, dass die Menschheit am Ende des jüngeren Dryas Architektur, Ackerbau und Viehzucht ohne ältere Vorbilder erfinden konnte. Diese verortet er ins alte Atlantis, das Plato zufolge vor ca. 11000 Jahren unterging.

Hancock beendete seinen Vortrag mit deutlicher Kritik an den Vertretern der Prä-Astronautik: Nicht die Annunaki, sondern die Weisheit früherer Zivilisationen hätte die Menschheit vorangebracht. Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Vortrag, mit dessen Ideen man sich zwar nicht unbedingt identifizieren muss, der aber genügend Verweise auf faszinierende Ideen und Ausgrabungsstätten enthält und weit weg vom himmelschreienden Unsinn Tellingers entfernt ist.

Foto 7: Graham Hancocks Vortrag war das souveräne Highlight eines schwachen ersten Kongresstages.

Tag 2

Der Astrophysiker Chandra Wickramasinghe ist der einzige unter den Referenten, der als Wissenschaftler allgemein anerkannt ist – obschon er in einigen Teilgebieten seiner Forschung äußerst umstritten bleibt. Gemeinsam mit seinem Doktorvater Fred Hoyle verfeinerte er in den 1970er Jahren die „Panspermia“-Theorie, nach der Bausteine des Lebens interstellare Distanzen überwinden können und so für seine Ausbreitung sorgen. Für „die Entdeckung außerirdischen Lebens – ein Wendepunkt in der Geschichte“ – so der Titel seines Vortrages – blieb er zwar den Beweis schuldig. Doch insgesamt war es eine anregende Einführung in seine Gedanken, die zwar von der Mehrheit seiner Kollegen nicht geteilt werden, aber definitiv nicht als Pseudowissenschaft abqualifiziert werden können.

Wie viele seine Vorredner begann er mit der Behauptung, dass die Überreste alter Hochkulturen zahlreiche Hinweise auf außerirdische Besucher bereitstellen. Nicht jedoch ohne klarzustellen, dass er in den meisten Fragen mit Erich von Däniken nicht konform sei. Danach folgte der eigentliche wissenschaftliche Kern. Im Universum sind an zahlreichen Stellen, etwa im interstellaren Staub oder auf Kometen, organische Moleküle spektroskopisch nachgewiesen worden. Und es konnte gezeigt werden, dass Bakterien sowohl Millionen Jahre Inaktivität als auch äußerst unwirtliche Bedingungen überleben können, wie sie z.B. beim Eintritt eines Meteoriten oder Kometen in die Erdatmosphäre auftreten.

Wickramasinghe zufolge ist die „spontane“ Entstehung des Lebens derart unwahrscheinlich, dass sie seit dem Urknall vielleicht nur ein einziges Mal im ganzen Universum stattfinden konnte. (Natürlich durfte auch der Hinweis nicht fehlen, der Urknall sei nicht die einzig mögliche Kosmologie – schließlich war Fred Hoyle einer der prominentesten Kritiker dieser Theorie, die er abschätzig „Big Bang“ zu nennen pflegte. Der Name blieb hängen.) Wenn das Leben sich aber erst einmal entwickelt hat, wäre eine (auf kosmischen Zeitskalen) rasche Ausbreitung über Kometen und Meteoriten sowohl innerhalb wie außerhalb eines Sonnensystems unvermeidbar, wobei am Zielort natürlich günstige Bedingungen vorliegen müssen. Dass Meteoriten von einem Planeten zum nächsten „wandern“ können ist allgemein bekannt und wird z.B. durch zahlreiche Objekte vom Mars belegt, die auf der Erde niedergegangen sind. Auch von Kometen weiß man, dass sie gelegentlich aus ihrem Sonnensystem herausgeschleudert werden.

Tatsächlich war die Erde in ihrer Frühzeit einem intensiven Bombardement durch Kometen ausgesetzt, von denen möglicherweise auch das Wasser der Ozeane stammt. Wickramasinghe stellt die Frage, ob die Kometen nur organische Moleküle mitgebracht hätten oder gar das Leben selbst.

Wickramasinghe schließt seinen Vortrag mit seiner These, dass zahlreiche Krankheitserreger wie die spanische Grippe 1918 durch Kometen auf die Erde gebracht wurden. Diese Ansicht wird in der wissenschaftlichen Community jedoch von kaum einem Kollegen geteilt.

Insgesamt aber ein schöner, provokanter aber seriöser Vortrag.

Foto 8: Wickramasinghe ist ein anerkannter Wissenschaftler und war das intellektuelle Highlight des gesamten Kongresses. 

Der zweite Redner des Tages konnte aufgrund seines hohen Alters und seines schlechten Gesundheitszustands nicht persönlich am Kolloquium teilnehmen. Edgar Mitchell, Pilot der Landefähre von Apollo 14 und sechster Mensch auf dem Mond, hatte aber ein Grußwort an Erich von Däniken mit dem Titel „die äußere und innere Reise eines Apollo-Astronauten“ aufgezeichnet.

Zu Beginn erzählte er von seinen Erfahrungen im Apollo-Programm und wie es dazu kam, dass er für Apollo 14 und nicht wie ursprünglich geplant für Apollo 13 eingeteilt wurde. Die starke Erfahrung, die Erde aus dem Weltraum gesehen zu haben, haben ihn tief beeinflusst.

Dann ging er auf das Gedankenübertragungs-Experiment ein, dass er während des Apollo-Fluges durchgeführt hat – mit dem verblüffenden Ergebnis, dass sie selbst auf einer Distanz von 100000 Meilen noch genauso gut funktioniert wie im Labor.

Mitchell ist in Roswell aufgewachsen und äußerst sicher, dass extraterrestrische Besuche und insbesondere der Absturz eines UFOs nahe Roswell stattgefunden haben. In einem kleinen Ort würde man ehrlich miteinander reden, und er kenne viele von den Leuten, die an der Beseitigung der Spuren mitgewirkt haben – vom Polizisten, der den Verkehr umgeleitet hat, dem Bestatter, der kleine Särge für die Leichen der Aliens bereitstellen musste bis hin zu Major Jesse Marcel, der die Überreste des abgestürzten Wetterballons (bzw. des außerirdischen Schiffes) aufsammelte und wegtransportierte.

Zuletzt ging er darauf ein, dass es offenbar mehrere Spezies von Aliens gibt und diese offenbar ein großes Interesse am amerikanischen Nuklearwaffen-Arsenal haben. Mehrfach hätten sie solche Basen besucht und teilweise die Anlagen deaktiviert oder Testraketen abgeschossen.

Foto 9: Der sechste Mensch auf dem Mond: Edgar Mitchell. Vom Wissenschaftler zum konspirativen Esoteriker.

Es folgte ein weiterer Videobeitrag – Norbert Reichart von Media Invest Entertainment stellt ein allumfassendes Multimedia-Projekt vor, für das seine Firma sich die Rechte an Erich von Dänikens Werk gesichert hat. Entstehen sollen u.a. ein Hollywood-Blockbuster, Fernsehserien, Videospiele, Musicals und ein Themenpark. Dem Trailer nach zu urteilen ist keines der Einzelprojekte bereits finanziert. Immerhin konnte man Roger Moore als Erzähler gewinnen und die Beteiligung einiger Hollywood-B-Größen sichern.

Für das offensichtlich rein kommerziell ausgerichtete und auf Massengeschmack getrimmte Vorhaben (sogar EvD-Merchandising ist geplant) gab es aus dem Publikum deutliche Pfiffe und Buhrufe.

Foto 10: Das hat sich Norbert Reichart sicher anders vorgestellt. Laute Buhrufe begleiteten das Ende der Präsentation des Projekts "Chariots of the Gods".

Nachdem sich die Gemüter übers Mittagessen beruhigen konnten, ging es mit dem vorletzten Vortrag weiter. Robert Salas erzählte von der Komplexität menschlicher Interaktionen mit dem UFO-Phänomen.

Er berichtete von einem Ereignis auf der Malmstrom Air Force Base (AFB) im Jahr 1967, wo er damals stationiert war, sowie weiterer Ereignisse (Minot AFB 1968, Ellsworth AFB 1976). Soldaten seiner Basis hätten UFOs mit unglaublichen Flugeigenschaften gesehen; dabei wären auch 10 Atomraketen deaktiviert worden. Salas behauptet, dass man ihm befohlen hätte, niemals über diesen Vorgang zu sprechen und dass er dazu eine Vereinbarung unterschrieben hat, die bei Zuwiderhandlung eine Gefängnisstrafe vorsieht. Viele Jahre später hätte er sich jedoch darum bemüht, dass entsprechende Dokumente freigegeben werden. Dieser Bitte hätte man auch entsprochen, allerdings betraf die Freigabe andere Unterlagen – ein Fehler, den Salas lange nicht bemerkt haben will.

Nachdem er über die Vorfälle zu sprechen begann, hätten sich auch andere Zeugen – deren Glaubwürdigkeit er verifiziert haben will – gemeldet. Scheinbar haben die außerirdischen Besucher ein besonderes Interesse an Atomwaffen und Kernkraftwerken und wollen uns sagen, dass wir nicht alleine in unserer kosmischen Nachbarschaft sind und deswegen unsere Atomwaffen abschaffen und die Kernenergie „kontrollieren“ sollten.

Salas zufolge gibt es einen UFO-Geheimbund, der aus schwarzen Kassen finanziert wird und alles tut, um das Wissen über außerirdische Besucher unter den Tisch zu kehren und UFO-Gruppen zu diskreditieren. Die verschiedenen Sparten des Militärs würden ihre Erkenntnisse untereinander jedoch teilen.

Auch Entführungen durch Aliens sind für Salas ein realer Teil des Phänomens. Er selbst will 1985 entführt worden sein – zu blauem Licht wachte er aus dem Schlaf auf, seine Frau neben ihm bewusstlos, er selbst paralysiert. Eine kleine Figur im Raum, er schwebt aus dem Bett auf das geschlossene Fenster zu und bewegt sich einfach durch. Später, in einer Art Klinik, wird eine sehr lange Nadel in seinen Körper eingeführt. Die Erinnerung an diese Erfahrung ist ihm erst viele Jahre später und mit Hilfe von vier Hypnose-Sessions zurückgekommen.

Salas’ Ansicht ist es, dass die Aliens eine Hybridrasse züchten und unser Bewusstsein auf ein Niveau erhöhen wollen, dass unserem langfristigen Überleben als Spezies zuträglich ist.

Foto 11: Robert Salas bot dem Publikum den nächsten starken Tobak mit seiner persönlichen Entführungsgeschichte.

Höhepunkt der Veranstaltung war natürlich der fast zweistündige Vortrag des Meisters selbst – Erich von Däniken total“. Neue Erkenntnisse gab es wie zu erwarten keine, aber mit Schwung und Tempo wurden die Zuhörer durch von Dänikens Gesamtwerk geführt.

Los ging es mit den Götterfiguren alter Kulturen – laut von Däniken finden sich weltweit die selben Bilder und Ideen sowie Figuren, die offensichtlich Astronauten zeigen. Außerirdische Besucher seien irrtümlich als Götter gedeutet worden, das Versprechen der Wiederkehr sei aber in alle frühen Kulte übergegangen, wurde aber auf eine göttliche Heilandsfigur übertragen. Die Erwartung der Wiederkehr ist bei der Entwicklung hin zu moderneren Religionen nicht verloren gegangen.

Foto 12: Zum Kongress brachte der umstrittene Kopp-Verlag einen Sammelschuber mit den 18 ersten von Däniken Büchern auf den Markt. Preis: 199,- €. Von Däniken bot seinen Fans zahlreiche Signiermöglichkeiten.

Steinzeitmonumente wie die Steine der Bretagne waren lange Zeit rätselhaft; erst durch Luftaufnahmen konnte gezeigt werden, wie regelmäßig sie angeordnet sind. Die Lage der Fundstätten bildet quer durch Europa regelmäßige Muster. Stonehenge – angeblich ein Modell des Sonnensystems – darf in der Aufzählung natürlich nicht fehlen. Auf Malta gibt es Strukturen, die wie Gleisspuren aussehen, ins Wasser laufen und sich unter Wasser fortsetzen. Da aber niemand unter Wasser baut, müssen sie zu einer Zeit entstanden sein, als der Meeresspiegel tiefer lag.

Aus all diesen Beobachtungen folgert von Däniken, dass die steinzeitlichen Stätten den (noch nicht entzifferten) Code für eine Art Zeitkapsel enthalten. Die Frage, wann die außerirdischen zurückkommen werden, kann er nicht beantworten. Jedoch wäre die Entwicklung der menschlichen Technologie so, wie von den Außerirdischen vorherberechnet – da wir uns zusehends den Weltraum erschließen, könnte es bald soweit sein. Vielleicht leben wir auch in einem Zoo, aus dem unsere außerirdischen Wächter uns bald ausbrechen lassen könnten. Dafür spreche die vermehrte Sichtung von UFOs in neuerer Zeit.

Der nächste Abschnitt ist ein Durchgang durch das Buch Henoch. Im Alten Testament wird Henoch nur mit wenigen Zeilen erwähnt, die apokryphen Henochbücher sind jedoch deutlich ergiebiger. Die 160 Jahre alte Übersetzung würde den Text in einen christlichen Kontext zwingen und konnte natürlich nichts von (außerirdischen) Fluggeräten wissen. Eine „offene“ Lektüre würde aber zeigen, dass im ersten dieser Bücher beschrieben wird, wie Henoch von außerirdischen in ihrem Schiff mitgenommen und dort unterwiesen wird. Weiter wird beschrieben, wie es zu Sex zwischen Außerirdischen und menschlichen Frauen kommt – was nur Sinn macht, wenn die Außerirdischen – ganz im Sinne von Panspermia – uns sehr ähnlich waren. Die Bibel habe demnach nicht ganz unrecht, wenn sie schreibt, Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Am Schluss des Buches wird eine große Schlacht am Firmament beschrieben – nicht zwischen Luzifer und dem Erzengel Michael, sondern zwischen verschiedenen der außerirdischen Fraktionen.

Ebenfalls bekannt ist von Dänikens Deutung des Buches Ezechiel. Gottes Thronwagen wird als außerirdisches Fluggerät beschrieben. Bestärkt wird diese Deutung durch Rekonstruktionen von Ingenieuren, die sich auf das Buch berufen, sowie eine Rekonstruktion des sehr detailliert beschriebenen und – für das Alte Testament sehr ungewöhnlich – mit präzisen Maßen versehenen Tempels. Das Fluggerät passt exakt in den Tempel, der somit eine Basis sein muss.

Foto 13: Die Blumrich Version vom Bibeltext über Hesekiels Bericht gehört seit Jahrzehnten zum Standardprogramm jedes von Däniken Vortrags.

Zum Ende seines Vortrags kommt von Däniken auf die Fátima-Erscheinungen zu sprechen. Er vermutet, dass das dritte Geheimnis – welches 1960 hätte gelüftet werden sollen – die Existenz außerirdischer bestätigt. Kirchenführer hätten sich deswegen zuerst gegen eine Freigabe entschieden und im Jahr 2000 dann eine fabrizierte Fassung veröffentlicht.

Den Grundgedanken des Christentums, „das Blut eines Unschuldigen für die Sünden der Schuldigen zu vergießen“ schmäht von Däniken als „grauenhafte heidnische Praxis“. Auch das ständige Entstehen neuer Religionen würde gegen die Idee eines allmächtigen Gottes sprechen. Etwas resigniert endet er seinen Vortrag mit der Feststellung, es gäbe zwei Sorten von Menschen – die einen glauben an Religion, die anderen an Wissenschaft. Beide halten allerdings den Menschen für „das Größte“ und verkraften daher die Kränkung durch Außerirdische nicht.

Foto 14: Erich von Däniken in seinem Element. Auch mit 80 bot er dem Publikum 120 Minuten Entertainment pur.

Am Ende des Tages bedankte sich von Däniken in seltsamen Worten bei Jochen Kopp für die Organisation des Kongresses und nahm ihn gegen Kritik in Schutz. Vielfach wird ihm vorgeworfen, rechtspopulistischen Autoren eine Plattform zu bieten.

1968, nach Veröffentlichung seines ersten Bestsellers, hätten einige andere Autoren des Verlags, vorwiegend linksgerichtete Intellektuelle – sich über von Däniken beschwert. Der Verleger hätte barsch geantwortet, dass er sie nur deshalb bezahlen kann, weil sich von Däniken so gut verkaufe.

Wie die Analogie gemeint ist erschließt sich nicht auf den ersten Blick – braucht Kopp etwa Ulfkotte und co, um sich von Däniken noch leisten zu können?


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