UFO/UAP-Akten der USA - Release 06

Am 18. September wurde die sechste Tranche an UAP-Akten des US-Kriegsministeriums (DOW) freigegeben. Das Release 06 umfasst 72 Dateien, darunter 56 Dokumente (PDF), 15 Videos und eine Audiodatei, wie üblich von verschiedenen Behörden. Bilder befinden sich diesmal nicht darunter. Alle Dateien lassen sich wieder herunter laden. Eine gute Übersicht der Bildmedien bietet wie üblich der dvids hub.

Audio

Die 65-minütige Audiodatei enthält eine Aufzeichnung eines Vortrags von Captain Edward J. Ruppelt aus dem Jahr 1952, in dem er die neu organisierten Ermittlungen der US-Luftwaffe zu UFOs skizziert. Der Vortrag gibt einen Ausblick auf zukünftige technische Methoden wie die Beugungsgitterfotografie und die Radarsynchronisation, die später in das „Projekt Blue Book“ einflossen. Ruppelt erklärt, dass von den rund 800 historischen Fällen, die von der Luftwaffe geprüft wurden, etwa 20 % auch nach einer technischen Analyse ungeklärt blieben. Diese ungeklärten Berichte stammten von glaubwürdigen Militärangehörigen, Verkehrspiloten und anderen qualifizierten technischen Beobachtern. Er hebt geografische Konzentrationen von Berichten rund um sensible Einrichtungen der nationalen Sicherheit und Atomwaffenanlagen (einschließlich der Los Alamos, Albuquerque und Oak Ridge National Laboratories) hervor und verweist auf wiederkehrende anomale Merkmale, Ruppelt betont, dass die Luftwaffe keine schlüssigen Beweise hinsichtlich der Natur oder Herkunft der Phänomene gefunden habe, und unterstreicht die aus Sicht der nationalen Sicherheit notwendige systematische Erhebung physikalischer Daten, um diese Sichtungen besser bewerten zu können.

Videos

Neben weiteren Militäraufnahmen findet sich unter den „Featured Videos“ einerseits der berühmte UFO-Film aus Tremonton, Utah, vom 2. Juli 1952, der sich auch in den Blue Book-Unterlagen findet und seitdem auch für Diskussionen sorgt. Die wenigen Details des Films erschwerten damals eine schlüssige Auflösung. Später wurde hierfür Möwen verantwortlich gemacht, die das Sonnenlicht reflektierten. Ursprünglich war das Filmmaterial offenbar mit Berglandschaften aus Idaho kombiniert, die in dieser Digitalisierung nicht erhalten sind. Zu diesem Film finden sich zusätzliche Dokumente sowohl im aktuellen Release, aus den Blue Book-Akten, als auch im vorigen, fünften Release, wo der Film zusammen mit dem ebenfalls berühmten Montana-Film behandelt wird.

Andererseits finden sich hier Privataufnahmen eines Polizeibeamten, die im Oktober 2023 über Colorado aufgenommen und an AARO eingereicht wurden. Das Videomaterial wurde mit der Kamera eines Smartphones aufgenommen. Das Phänomen wurde als geräuschlos mit weiß, rot, blau und grün blinkenden Lichtern beschrieben. Das Video wurde von AARO digital nachbearbeitet, indem der gesamte Hintergrund in die Unschärfe gezogen wurde. Ferner wurde auf systemimmanente Fehlerquellen hingewiesen:

Mobilgeräte der Art, mit denen dieses Filmmaterial aufgenommen wurde, verfügen über Autofokus und andere automatisierte Bildverarbeitungsfunktionen, die die sichtbaren morphologischen und kinematischen Eigenschaften entfernter Motive verzerren können, insbesondere bei hoher Vergrößerung.

Die weiteren Videoaufnahmen zeigen im Wesentlichen das bisher schon zu sehende Bild, in Form von kleineren, hellen oder dunklen, meist rundlichen Objekten. Größtenteils über Wasser, teils auch über Land. Ein Video mit mehreren Lichtpunkten über dem Nahen Osten erinnert an ein früheres Video, das mit Vögeln in Verbindung gebracht wird. Hier wird in der Beschreibung erwähnt, dass der Berichterstatter die Geschwindigkeit auf „480 Meilen pro Stunde“ geschätzt hat. Ein anderes Video aus dem nahen Osten zeigt ein kleines dunkles Objekt, mit unregelmäßigen Bewegungen, zu dem verschiedene Geschwindigkeiten „zwischen 80 und 180 Meilen pro Stunde“ aus der Beobachtung heraus angegeben werden. Zu einem weiteren Video aus dem Nahen Osten das ein kleines helles Objekt zeigt, wird im zugehörigen Missionsbericht angegeben, dass das Objekt an die „500 Meilen pro Stunde“ geflogen sei, was dem Video nach auch auf den Parallaxeffekt zurückgeführt werden kann. In den Hinweisen zu den Videos findet sich der übliche Hinweis, dass man solche Beschreibung nicht so interpretieren soll, dass sie „ein analytisches Urteil, eine Untersuchungsschlussfolgerung oder eine sachliche Feststellung hinsichtlich der Gültigkeit, Art oder Bedeutung des beschriebenen Ereignisses widerspiegelt.“ Das bedeutet, dass solche Geschwindigkeitsschätzungen auf dem persönlichen Eindruck des Beobachters beruhen, nicht auf validierten Messungen. Insgesamt zeigen die Videos meist optisch kleinere Objekt ohne erkennbare Strukturen. Nachfolgend einige Screenshots.

Screenshots aus einigen Videos:

Dokumente

Bei den Dokumenten liegt in diesem Release ein Schwerpunkt auf dem früheren AAWSAP-Projekt, das das Pentagon damals mit knapp 22 Mio USD finanziert hat. So findet sich das „Statement of Objectives“ für das Projekt, zu dem es u.a. heißt:

In dieser Zielerklärung vom Juli 2008 wird AAWSAP als eine von Auftragnehmern unterstützte Forschungsmaßnahme definiert, die darauf abzielt, langfristige ausländische Bedrohungen der Luft- und Raumfahrt zu bewerten, indem die Physik und Technik möglicher bahnbrechender Technologien bis zum Jahr 2050 verstanden wird, anstatt aus damals aktuellen Luft- und Raumfahrttrends zu extrapolieren.

Das zeigt den inzwischen bekannten Umstand, dass es hier nicht primär um UFOs ging und das Projekt auch wesentlich ein externes war, das von Subunternehmer durchgeführt wurde. Also nicht, wie oftmals kolportiert, ein UFO-Programm des Pentagons selber.

Des Weiteren findet sich der Vertrag zu AAWSAP („Solicitation/Contract/Order“), worin sich auch die genaue Auftragssumme findet (21.948.810 USD), sowie die Vertragsdetails. Dazu finden sich insgesamt fünf Änderungen zum Vertrag („Contract Modification“), die sich vorwiegend auf Zeiträume beziehen (Z. B. DOW-UAP-D112, AAWSAP Contract Modification P00001, September 2009). Daneben sind auch die 37 DIRD-Dokumente darunter, die aus dem Projekt hervorgingen und allesamt theoretische Abhandlungen über mögliche zukünftige Technologien beinhalten, die vielfach auf spekulativen Ansätzen beruhen, wie bspw. Wurmlöcher und negative Energie, Warp Antrieb und dunkle Energie, Vakuum- und Raumzeitmetriktechniken, Antigravitation oder programmierbare Materie. Daneben auch Themen wie Quantentechnologie, weiterentwickelte Nuklearantriebe oder Laserantrieb.

Neben den Dokumenten zu AAWSAP gibt es noch einzelne Dokumente zu UAP-Ereignissen, wie dem oben erwähnten Tremonton-Video oder einzelnen Militärvideos. Ebenso findet sich Transkripte zum Audio mit Ruppelt als auch zu den Videos der Handyaufnahmen über Colorado (Z.B. LLE-UAP-D002)

Ein sehr umfangreiches Dokument mit weit über 500 Seiten enthält die Personalakte des damaligen Chief Warrant Officers der US-Marine, Delbert C. Newhouse und seinen beruflichen Werdegang. Newhouse nahm im Juli 1952 in der Nähe von Tremonton, Utah, den 16-mm-Film mit den Objekten auf. Ein ebenfalls umfangreiches Dokument dokumentiert die Untersuchung im Rahmen des Blue Book-Projekts sowie die anschließenden Bewertungen zu diesem Video. Die Akte spiegelt die sich über mehrere Jahre hinweg entwickelnde Einschätzung der Luftwaffe hinsichtlich des Bildmaterials wider. In frühen Unterlagen wurden mehrere mögliche Erklärungen in Betracht gezogen, darunter Sonnenlicht, das von Vögeln oder Ballons reflektiert wurde. Spätere Auswertungen stützten sich zunehmend auf die Annahme, dass es sich bei den Objekten um Sonnenlicht reflektierende Seevögel handelte. Die begrenzte Detailgenauigkeit des Films und das Fehlen fester Bezugspunkte verhinderten jedoch eine zuverlässige Bestimmung von Entfernung, Größe, Höhe oder linearer Geschwindigkeit der Objekte allein anhand des Films.

Zum Filmformat gibt es widersprüchliche Angaben. Mehrere Dokumente beschreiben einen 35-mm-Film, während zeitgenössische Einreichungsunterlagen das Original als eine 50-Fuß-Rolle entwickelten 16-mm-Kodachrome-Farbfilms identifizieren. Andere Aufzeichnungen zeigen, dass aus dem ursprünglichen 16-mm-Material 35-mm-Positiv- und Negativ-Duplikate angefertigt wurden. Aus der Akte geht zudem hervor, dass der Originalfilm aufgrund seines sich verschlechternden Zustands zu Konservierungszwecken dupliziert wurde.

In der Akte findet sich auch eine Darstellung des Tremonton-Videos in Comicform, das typische Probleme bei der illustrativen Darstellung zeigt, wie wir sie auch heute noch vorfinden. So wird dort von einer Formation gesprochen, wohingegen die Objekte eher unregelmäßig umherflogen und die bildliche Darstellung zeigt scheibenförmige Objekte, obwohl es eher kleinere, rundliche Objekte waren. Solche interpretative, typisierte Darstellungen finden sich auch in aktuellen Darstellungen bzw. künstlerischen Darstellungen Dritter von Vorfällen.

Einige Auszüge aus den Dokumenten:

Fazit

Hervorzugeben sind im aktuellen 6. Release die umfangreichen Dokumentationen zum berühmten Tremonton UFO-Video sowie zum früheren AAWSAP-Programm. Die DIRD-Dokumente waren bisher schon bekannt. Neu war für mich der Vertrag zu AAWSAP mit dem genauen Umfang und den Zielen. Die neueren IR-Videoaufnahmen folgen den bisherigen Eindrücken. Hervorzuheben sind, wie bisher, die Anmerkungen von AARO zur Einordnung der Videos und der Beschreibungen, die bspw. zu den Handyvideos auf Limitationen hinweisen und auch die (subjektiven) Geschwindigkeitsangaben zu einigen Videos relativieren. Das sind an sich triviale Dinge, die aber bei manchen Ufologen in der Beurteilung nicht ausreichend gewürdigt werden.

  

Links:
→ Webseite des US-Kriegsministeriums mit den UAP-Dokumenten aus der sechsten Tranche
→ Webseite des DVIDS - Defense Visual Information Distribution Service Hub

Weiteres:
→ Blogbeitrag zum Release 05 
→ Blogbeitrag zum Release 04
→ Blogbeitrag zum Release 03
→ Blogbeitrag zum Release 02
→ Blogbeitrag zum Release 01

  

 

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