Ex-Astronaut: UFOs sind es wert, untersucht zu werden

"Ich würde gerne glauben, dass sie wahr sind. Aber ich kann es nicht, bis mir jemand die echten Beweise zeigt" (Scott Kelly).

Bei dem kürzlichen öffentlichen Meeting der NASA zu deren UAP-Studie war auch der ehemalige NASA-Astronaut Scott Kelly Teil des Panels, der sich während der Veranstaltung auch zu Wort meldete. Kelly ist kein Unbekannter, war er doch Kampfpilot, Space Shuttle-Pilot und Kommandant der ISS.

Während der Veranstaltung meldete er sich zu Wort und berichtete von eigenen Erfahrungen und den Täuschungsmöglichkeiten, denen auch Astronauten und Piloten unterliegen können. Dazu gab er ein eigenes Erlebnis während eines Einsatzes in einer F-14 an, bei dem sein Co-Pilot dachte, dass sie an einem UFO vorbei geflogen wären. Nachdem sie umdrehten, um nachzusehen, stellte es sich als ein „Bart Simpson“-Ballon heraus.


Der ehemalige NASA-Astronaut Scott Kelly auf dem NASA UAP Public Meeting

In einem Interview im Anschluss des Meetings äußert sich Kelly zu diversen Punkten, woraus wir auszugsweise zitieren. Gegenüber dem aktuellen UAP-Hype, den diversen Aussagen und zahlreichen Auftritten ehemaliger Piloten, Geheimdienstoffizieren und Regierungsbeamten in diversen Shows, äußert er sich eher zurückhaltend und verweist auf den Satz von Carl Sagan „Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise“ und ergänzte: "Sie haben jedes Recht, außergewöhnliche Behauptungen aufzustellen, aber ohne die außergewöhnlichen Beweise sind es nur Behauptungen" und: "Vor Gericht wird die Aussage von Augenzeugen - ich bin mir da nicht sicher - als Beweis angesehen. In der Wissenschaft ist es Teil einer Hypothese. Es ist wie: 'Oh, wir sehen das!' Lasst es uns untersuchen."

Die zuletzt an unterschiedlichen Stellen vorgebrachten UAP-Sichtungen führt Kelly größtenteils auf die Tatsache zurück, dass es beim Fliegen über Wasser oder im Weltraum aufgrund fehlender Bezugspunkte schwierig sein kann, die Geschwindigkeit und Größe von Objekten zu beurteilen.

"Wenn man etwas sieht, von dem man weiß, dass es ein Flugzeug ist, und man weiß im Allgemeinen, wie groß Flugzeuge sind, kann man die relative Entfernung einschätzen", so Kelly. "Aber wenn man keine Bezugspunkte hat, sei es im Weltraum oder beim Fliegen über das Wasser, dann ist das eine Umgebung, die sehr anfällig für optische Täuschungen ist". Kelly fügte hinzu, dass nicht nur die menschlichen Augen für Fehlwahrnehmungen anfällig sind, sondern dass viele der Sensoren an Bord von Kampfjets und anderen Flugzeugen die gleichen Probleme haben.

Er führte dazu eigene Erfahrungen als Space Shuttle-Pilot an, wo sich Eisbrocken vom Shuttle lösten und davon trieben. "Oft konnte man nicht einmal sagen, um was es sich handelte - weil sie alle unterschiedlich geformt waren - man konnte nicht sagen, was das Eis war und wie weit es entfernt war. Es konnte einen Meter vor einem liegen oder 50 Meilen entfernt sein. Man weiß es nicht, weil man keinen Anhaltspunkt hat. Es sei denn, man wüsste genau, was es ist." Videos solcher Eispartikel kennen wir zur Genüge und diese tauchen auch heute nach wie vor immer wieder als angebliche UFOs auf.

Weiters äußert er sich kritisch zum so genannten "Gimbal"-UAP-Video der US-Navy, das seiner Meinung nach nichts Anomales zeigt:

"Für mich sieht es so aus, als ob die FLIR-Kamera gerade ihre kardanische Grenze erreicht hat" [Ein Kardangelenk ist jede Art von Halterung oder Stütze, die es einem Objekt, z. B. einer Kamera, ermöglicht, sich um eine oder mehrere Achsen zu drehen] "Und das liegt daran, dass es kardanische Grenzen hat. Es dreht sich um 360 Grad in eine Richtung, oder was auch immer die Grenzen sind, und kommt an diesen Punkt. Dann muss es sich wieder in die andere Richtung drehen. So sieht es für mich aus."

Ergänzend wurde auf dem NASA-Meeting seitens Joshua Semeter, Direktor des Zentrums für Weltraumphysik der Universität Boston, eine Analyse des "Go Fast"-UAP-Videos präsentiert, die den Parallaxeffekt demonstriert, der eine weit höhere Geschwindigkeit des Objekts vortäuscht, obwohl es offenbar lediglich um 40 mph flog (etwa 65 km/h).

Trotz dieser kritischen Analysen werden auch diese Videos weiter in der UFO-Szene als Belege für außergewöhnliche, anomale, fliegende Objekte angesehen, obwohl im nachfolgend abgebildeten Formular zur Beantragung der öffentlichen Freigabe der Videos vermerkt ist, dass die Videos dem Themenbereich "UAV, Ballons und andere UAS" (UAV=unbemannte Luftfahrzeuge/UAS=unbemannte Luftfahrtsysteme) zugeordnet waren. Damals übrigens von dem bekannten Ufologen Luis Elizondo selber.

 

Infolge der Veröffentlichung der Videos und der erhöhten Aufmerksamkeit kam es auch zu einer Zunahme an gemeldeten Sichtungen, die Kelly auch auf den veränderten Umgang mit diesem Thema und einer Entstigmatisierung, insbesondere beim Militär, zurückführt. Dazu erwähnte Kelly eine Begebenheit aus der Vergangenheit, wo ein Pilotenkollege nach der Rückkehr zum Flugzeugträger und der Aussage, er habe ein UFO gesehen, abfällig das Rufzeichen "Alien" bekam. Ohne Zweifel ist das heute anders und den dahingehend veränderten Umgang mit diesem Thema kann man durchaus als positiv ansehen.

Auch wenn Kelly sich bei vielen Behauptungen und den genannten Videos zurückhaltend äußert, so sollten seiner Meinung nach auch Erklärungen auf konkreten Belegen beruhen.

"Ich bin ein Mensch, der in einer Welt der Wissenschaft und der Fakten und Daten lebt", so Kelly. "Und die überzeugendsten, nicht klassifizierten Fälle, die wir haben, haben wirklich keine Daten. Sie sind interessant - interessante Geschichten. Ich würde gerne glauben, dass sie wahr sind. Aber ich kann es nicht, bis mir jemand die echten Beweise zeigt".

Er ergänzt dazu, dass auch die bislang geheim gehaltenen Daten nicht überzeugender seien, als die frei gegebenen. Es seien aber von bestimmten Sensoren aufgenommene Bilder, die aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht frei gegeben werden, um technische Fähigkeiten der Sensoren nicht zu offenbaren. Auch etwas, was allgemein eigentlich nachvollziehbar ist, von manchen Ufologen jedoch nicht verstanden wird.

Für das, was viele Piloten sehen und berichten, gibt es Kellys Meinung nach eher prosaischere Erklärungen, wie bspw. auch Drohnen oder Ballons und er verwies auf die allein 800.000 registrierten Drohnen in den USA, von der Masse an unregistrierten ganz zu schweigen.

Eine weitere, und auch aus unsere Sicht entscheidende, Feststellung von Kelly war die, dass einen die Beharrlichkeit, sich auf Belege und Daten zu verlassen, einen nicht zu einem Gegner der UFO-Community macht. Allerdings denkt er, dass er sich mit seinen Äußerungen auf dem NASA-Meeting, hinsichtlich von der NASA angeblich geheim gehaltener Bilder, wohl eher unbeliebt macht: "In meinen 20 Jahren bei der NASA hat meiner Erinnerung nach niemand, weder offiziell noch inoffiziell, jemals über irgendetwas diskutiert oder uns informiert oder irgendeine Art von Diskussion über irgendetwas geführt, das als UAP oder UFO oder irgendetwas Ähnliches angesehen werden könnte".

Allerdings sieht er seine Überzeugung, dass das Phänomen es wert ist, ernsthaft untersucht zu werden, als Gemeinsamkeit mit der UFO-Community. "Denn es gibt ein Problem. Ich meine, wir haben Dinge, die in unserem Luftraum fliegen, der hauptsächlich für den kommerziellen Flugverkehr gedacht ist. Und das sollte dort nicht sein, oder wir sollten zumindest wissen, was es ist. Ich denke also, es ist eine Untersuchung wert."

Unter dem Strich ein "geerdeter" (Ex-)Astronaut, der sich zwar neugierig aber erfreulich sachlich der Thematik nähert. Ganz im Kontrast zu manchen seiner Kollegen, die immer wieder mit sensationellen Behauptungen in den Medien auftauchen, aber dazu auch keine Belege liefern, sondern lediglich eigene Glaubensüberzeugungen wiedergeben.

 

Quelle:
Space.com "UFOs worth investigating despite lack of 'real evidence,' former astronaut Scott Kelly says" 

 

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